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Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
242
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Die letzten Verse hat der Dichter nicht mehr aus demBlatt gelesen, ans dem sie mit Bleistift gekritzelt waren,sondern er spricht sie frei zu der lieblichen Frauengestalt,die unbemerkt in das Zimmer getreten ist und an demKrankenlager, bang aufhorchend, nun schon eine Weile ge-standen hat.

„Endlich bist du da!" ruft ihr Heine in einem faststrengen Ton entgegen.

Sie aber bricht in Thränen aus; ein convulsivischesZucken zieht über ihr Gesicht; mau merkt es der zierlichenErscheinung an, daß sie ein Fieberfrost schüttelt, daß sie nurmühsam ihre Schmerzen verbergen kann. Denn gewaltsamhat sie sich aus dem Bette aufgerafft, um den kranken Dichternoch einmal zu sehen, und nun ruft dieser wenig liebe-volle Ton, mit dem er sie empfangen, alle ihre trüben Er-innerungen wach. Als ob Heine dies alles geahnt hätte,ruft er sie jetzt mit schmeichelnden Worten zu sich heran,und sie muß sich an den Rand seines Lagers setzen. DieThränen, die über ihre blasse Wangen rollen, scheinen ihntief zu erschüttern.

„Nimm deinen Hut ab, damit ich dich besser sehenkann", sagt er. Und mit einer liebkosenden Geberde ziehter an ihrem Hutband. Wie von einer schnellen, gewalt-samen Erregung ergriffen, wirft sie den Hut fort und knietan seinem Lager nieder. Vergebens sucht sie den Stromder Thränen zurückzudrängen ... Zu der Stube herrschteine feierliche Stille, die nur hier und da von dem Schluchzender Mouche unterbrochen wird. Auch die Sonnenstrahlensind vorübergezogen. Kein Laut unterbricht die heiligeRuhe; die Hand des Dichters, welche auf dem Lockenhauptdes Mädchens liegt, scheint sie zu segneu.

Dann erhebt sie sich leise und will sich entfernen, ohneden Kranken aus seinem Sinnen zu stören. Sie hat schon