Das ist es auch. Ein Blick auf das „Matratzenlager"sagt uns alles. Dort liegt ein seltsam aussehender, bleicherManu nicht etwa auf einem Bett, sondern auf einem halbenDutzend übereinandergelegter Matratzen. Es dauert laug,bis wir den Eindruck dieser Erscheinung überwunden haben.Zwar haben wir nns darauf vorbereitet, einen Gelähmtenauf seinem Schmerzenslagcr zn finden, aber diese entsetzlicheVerwüstung haben wir nimmer erwartet. Der kleine, förm-lich zusammengeschrumpfte Leib ist etwas zur Seite desdes niedrigen Lagers geneigt, die Beine dagegen, starkgekrümint, liegen der ganzen Schwere nach auf der linkenSeite, unbeweglich lahm, in einer Sellnng, die nur einseit vielen Zahren Gelähmter überhaupt ertragen kann.Oberleib, Arme und Gesicht bewegt der Kranke zwar frei,seine Augen aber sind infolge einer Lähmung der Augen-lider, welche schlaff herabhängen, fast geschlossen; wenn ernns betrachten will oder die kleine üppige Frau, die ebenan sein Lager getreten und ihm den Morgengrnß bringt,muß er die linke Hand über den Kopf weg führen unddas rechte Augenlid heben, wobei aus dem matten dunklenAuge noch ein Schimmer unsäglicher Liebe und tiefen Leidsauf die kleine Frau strahlt — dann fällt das Lid seinerganzen Schwere nach wieder herab.
Die Physiognomie des Kranken fesselt uns aber trotzdieser unheimlichen Vorgänge doch so mächtig in einem un-sagbaren Zanberbanne, daß wir, so oft wir es auch ver-suchen, doch den Blick nicht pon ihm wenden könne». Essind überaus interessante, durch Leiden veränderte Züge:ein ovales Gesicht mit erkennbarem orientalischem Typus,in welchem ein Ausdruck tiefer Erschlaffung vorherrscht,und über das nur selten wie blitzartig ein mephistophelischesLächeln zuckt; halblanges, dunkelbraunes, glattes Haar be-deckt etwas verworren den feingeschnittenen Kopf; ein feiner