dem mehrfach citirten Schreiben. Aber leider hat seinBeispiel nicht Nachahmung gefunden. Vorher und nachherhat der Privatklatsch mit Vorliebe iu dem Leben Heinesgewühlt und eine Unmasse von Schmutz zusammengetragen,von dem das Andenken des Dichters zu reinigen, die Auf-gabe aller seiner Freunde sein und bleiben muß.
Unter diesen nimmt aber Karl Hillebrand einen be-sonders hohen Rang ein. Nicht nur durch das Zeuguiß,das er für Heines Schöpfungen, für seineu Ernst, seineuguten Charakter und seinen wissenschaftlichen Sinn ablegte,sondern auch und hauptsächlich durch das freimüthigc Be-kenutniß, wieviel er von seiner höheru Bildung und lite-rarischen Bedeutung Heine zu danken habe. Ich erinneremich nicht, daß eitler von Heines Freunden eilt so offenesBekenntniß seiner Dankesschuld abgelegt hätte, wie sehrauch Mancher dazu verpflichtet gewesen wäre. Und wiemir scheint, liegt gerade in diesem Bekenntniß das Wesent-liche und Bedeutsame der Beziehungen Hillebrands zuHeine.
Zum letzten Male sah Hillebrand den Dichter ein Jahrvor seinem Tode. Er erkundigte sich mit inniger Theilnahmenach den literarischen Fortschritten seines Schützlings, dessenschriftstellerische Versuche er schon vorher wiederholt gelesenund korrigirt hatte, und rieth ihm französisch zu schreiben.
„So danke ich ihm" — damit schließt Hillebrand seineMitteilungen — „zu viel Anderem auch dies, daß ich imExil nicht verbummelt bin, daß ich fünf volle Jahredarauf verwendet habe, mich der Zucht einer zweiten Schul-nnd Universitätsbildung zu unterwerfeil, alle meine aka-demischen Grade vom Abilnrientencxamcn bis zur Doktor-promotion in der Sorbonne redlich zu erkämpfen, und wasnicht das Geringste ist, daß ich nie eine Zeile vor dem voll-endeteil dreißigsten Jahre habe drucken lassen."