Druckschrift 
Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
236
Einzelbild herunterladen
 

236

und von populären Büchern erinnert sich Hillebrand nurdes Werkes von Heinrich Laube über das deutsche Parlament,welches Heine aus Freundschaft für den Autor sehr lebhaftinteressirtc. Dagegen wurden die deutschen Klassiker, Goetheund Schiller vorab, fleißig gelesen und besprochen. Heinehegte eine besondere Vorliebe für Schillers Dramen, nament-lich für denWallenstein". Dabei ließ er sich die Mühenicht verdrießen, den jungen Vorleser in die Geheimnissedes Handwerks einzuweihen,ihm das Warum und Wiegewisser Stilformen, ja sogar der Kunstgriffe des Dichtens,die er sofort herausfand, auseinanderzusetzen, ihn ans diefeinsten Nuancen aufmerksam zu machen, ihm innner undimmer wieder das Maßvolle der Klassiker anzupreisen".

Ein Jahr lang dauerte dieses Verhältniß, währenddessen Hillebrand von dem Dichterstets mit einer Güteund liebevollen Rücksichtnahme" behandelt wurde, die tiefin seinem Herzen eingeprägt geblieben ist. Das hinderteHeine natürlich nicht, über den jungen und unbeholfenenDeutscheil zu Zeiten die witzigsten Glosseil zu machen.So erzählte er einmal Ludwig Kaiisch, dem bekanntenhumoristischen Schriftsteller, von seiner Art zu arbeiten:Ich diktire fast jeden Tag, was mir eine entsetzliche An-strengung verursacht. Es erschöpft mich fürchterlich. WennSie noch ein wenig verweile», werden Sie den Schlemihlsehn, dem ich in die Feder diktire. Doch was sag' ich? Nichter ist der Schlemihl; ich bin es!"

Andere und zum Theil schärfere Witze erzählte Hille-brand selbst oft in Privatgesellschaft; aber nie ließ er sichdazu herbei, über Heines Familienleben, über seine Be-ziehungen zil Frau und Familie etwas Nachtheiliges mit-zutheilen.Gerade die Sicherheit, mit welcher man inmeiner Gegenwart handelte und sprach, legte mir in dieserBeziehung Verschwiegenheit auf," so erklärt Hillebrand in