schrieb bisher Alles immer selbst," sagte er damals zu AoolfStahr, „und ich glaube, daß es im Deutschen namentlichmit dem Diktireu von Prosa ein mißliches Ding ist. DerSchriftsteller hat nicht blos den Tonfall, sondern auch denarchitektonischen Bau seiner Perioden in Betracht zu ziehen.Unsere Sprache ist für das Auge mitberechnet; sie istplastisch, und beim Reimen entscheidet nicht nur der Klang,sondern auch die Schreibart.... Verse, die man im Kopffertig macht, kann man noch eher diktireu, als Prosa; undich könnte auch das nicht, ich würde auch so noch Vielesändern."
Wenn sich Heine später dennoch dazu entschließenmußte, Alles, Prosa und Verse, Aufsätze und Briefe zudiktireu, so wird man es begreiflich finden, daß er sich keinegewöhnliche Schreiberseele für seine Zwecke aussuchte, unddaß er mit seinem durchdringenden Blick, mit seiner großenMenschenkenntniß in dem unscheinbaren dcntschenEmigranteneine geistige Kraft entdeckte oder ahnte, die nicht mechanischdas Dikiirte nachschreiben, sondern durch geistige Auffassung,durch Rath und selbstständige Meinung helfen würde.
Hillebrand mar zu bescheiden, um das zuzugestehen.Aber es ist mehr als wahrscheinlich, das er schon damalseine solche geistige Kraft ahnen ließ, als ein Korrespondentdeutscher Zeitungen, Dr. Löwenthal, ihn dem Dichter vor-stellte. Sie wurden bald handelseinig, und er gesteht selbstein, daß sie auch handelseinig geworden wären, wenn ihmHeine seine „harten Fünffrankenthaler, die er seufzend ausder rothen Börse unter dem Kopfkissen hervorzuziehen pflegte,nicht angeboten hätte." Hillebrand wurde nun des Dichtersständiger Sekretär, und er selbst hat in einem aussiihrlichenSchreiben an Prof. Hermann Hüffer in Bonn das Inter-essanteste und Wichtigste über seine damaligen Beziehungenzu dem Dichter mitgethcilt. Zwar hatte er in jener Zeit