Druckschrift 
Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
209
Einzelbild herunterladen
 

209

nus einer der aristokratischen Familien Frankreichs undvermählte sich schon in ihrem fünfzehnten Lebensjahr mitdem uni ein Vierteljahrhnndert älteren Herrn MaximeZaubert, der Ober-Tribunalsrath am Pariser Cassations-hofe war. Der Zauberi'sche Salon gehörte jahrzehntelangzu den interessantesten von Paris, und die Hanptzierdedesselben war dieFrau Gevatterin" selbst, die durch ihreAnmuth und ihren Geist Alles belebte und die hervor-ragendsten Geister zu fesseln wußte. Es war auf einemBall im Zahre 1835, als Frau Zaubert Heine kennenlernte. Er introducirte sich bei ihr mit dem alten Witze:Zch bin der erste Manu des Jahrhunderts", sprach spott-schlecht Französisch und machte einem im Ganzen recht un-beholfenen Eindruck. Erst als er auf Alfred de Müsset zusprechen kam, fing sich Frau Zaubert für ihn zu iuteressirenau, und auch Heine empfand bald die lebhafteste Sympathiefür die aumuthige Französin.

Wenige Tage darauf sandte ihr Heine sein Buch >>vs1'ZUöinnAns" mit folgendem liebenswürdigen Schreiben:

Ich habe die Ehre, Madame, Ihnen anbei mein Buch überDcntschland zu schicken. Zch bitte Sic, den sechsten Abschnitt zulesen; ich spreche dort von Undincn, Salamandern, Gnomen undSylphen. Zch weiß wohl, daß meine Kenntnisse über diesen Gegen-stand sehr unvollständig sind, obwohl ich die Werke des großenAurelcus Thcophrastus Paracelsus Vombnstus von Hohenheimim Original gelesen habe. Als ich mein Werk schrieb, hatte ichsolche Elcmentargeister noch nie gesehen, ich zweifelte sogar, ob sieetwas Anderes sein könnten als Erzeugnisse unserer Einbildungs-krast, ob sie nicht nur das menschliche Gehirn, sondern auch dieElemente bewohnen .... Doch seit vorgestern glaube ich an dieWirklichkeit ihrer Existenz . . . Der Fuß, welchen ich vorgesterngesehen habe, kann nur einem solchen phantastischen Wesen an-gehören, von welchem ich in meinem Buche spreche; aber ist erwirklich der Fuß einer Undinc? Ich glaube, daß er dahingleitetwie eine Welle, und daß er gut auf dem Wasser tanzen könnte.

14