„Matratzengruft" — wie bereits oben erwähnt — nur mitgroßer Vorsicht aufzunehmen, und deshalb übergehe ich sieauch hier, wo es gilt, einer Todteu die Wahrheit nachzusagen.Kam dann aber Frau Mathilde, die inzwischen immer stärkerund schöner wurde, nach Hause, dann brach durch seineFenster „französisch heitres Tageslicht":
„Es kommt mein Wcib, schön wie der Morgen,Und lächelt weg die deutschen Sorgen,^^
„Zch habe," sagte Heine im Frühjahr 1848 zu FanuyLewald, „eine seltene Frau, die ich unaussprechlich geliebt,dreizehn Zahre hindurch meiu eigen genannt, ohne einenMoment des Wenigerlebens, ohne Eifersucht, in unwandel-barem Verständniß und in vollster Freiheit. Kein Versprechen,keilt Zwang äußerer Verhältnisse band uns an einander,und erst spät habe ich, lim meine Frau nach meinem Todesicherzustellen, die gesetzliche Legalisation meiner Ehe nach-gesucht. Zch erschrecke jetzt in meinen schlaflosen Nächtennoch oft vor der Seligkeit dieses Lebens; ich schauere ent-zückt zusammeit vor dieser Glückesfülle. Zch habe oft übersolche Dinge gescherzt lind gewitzelt und noch viel öfter ernst-haft darüber nachgedacht: die Liebe befestigt kein Mieths-contract, sie bedarf der Freiheit, um zu bestehet! und zugedeihen."
Diese goldenen Worte sind das Grundmotiv Heinesgeblieben bis zu seinem Tode, und an sie muß man denkenund immer wieder erinnern, wenn man über seine Ehespricht und schreibt, um die volle Bedeutung zu ermessen,die dieses Verhältniß für ihn gehabt hat. Sie zeigen unsden Menschen Heine doch von einer ganz andern Seite, alswir ihn zu betrachten gewohnt und vielleicht auch geneigtwaren; sie bilden den Schlüssel zum Verstäuduiß diesesseltsamen und merkwürdigen Charakters, in deni sich Herzens-güte und vernichtende Ironie, Edelmuth und Egoismus zu