aus einer aufgeklärten jüdischen Familie in Königsbergstammend, hatte August Lewald schon ein vielbewegtcsLeben hinter sich, als er Heine kennen lernte, für den erstets einen großen Enthusiasmus zur Schau trug. Er marDolmetsch russischer Truppen, Schauspieler, Theatersekretär,Redacteur gewesen, und schließlich regte sich in ihm, genährtdurch seine Gattin, eine gewaltige Sympathie für Weihranchund Meßgewänder. Zu dieser Sympathie traf er aber mitFrau Mathilde Heine zusammen, die wie alle. Französinnenstreng katholisch war, und es niemals glauben wollte, daßihr angebeteter Henri eigentlich — ein jnik sei.
Als sie gelegentlich einer Controverse mit Alfred Meißne rans Heines Freunde und deren Religionsbekenntniß zusprechen kam, sagte sie lachend: „Henri ist Protestant, glaubtan Lütheer! Wenn ich ihm sage, daß Lütheer ein abscheu-licher Ketzer war, wird er ordentlich böse und behauptet:er sei ein großer Mann gewesen, der größte Deutsche, derje gelebt, der Lütheer! O wie man doch in vielen Dingengescheidt sein und dabei doch so dumm reden kann!"
Natürlich fand Mathilde mit solchen Ansichten bei demkatholisirenden Lewald ungleich mehr Glück als bei AlfredMeißner — und daher ihre Vorliebe für August Lewaldund Heines Theilnahme an derselben. Noch viel später,als die Frömmigkeit Lemalds bedenkliche Dimensionen an-genommen und er in München mit der Weihrauchkerze,hinter jeder Procession einherging, vcrthcidigte. ihn Heineden Freunden gegenüber. „Nein, er ist kein Heuchler" —behauptete er. „Er macht sich das Alles, selbst weiß. Mansagt: „der Mensch ist, was er ißt". Das ist sehr wahr,wenn auch in anderem Sinne, als dem der Materialisten.Beim kräftigen Rostbeaf, das die Engländer und die Nord-deutschen verzehren,- entwickeln sich Energie, und praktischer:Sinn. Dagegen ist Mehlspeiskost sehr ungesund. Lewald.