— !80 —
nicht, ob er da das Französisch besser beherrscht hat — wollteer nun endlich George Sand, die damals auf dem Gipfelihres literarischen Ruhmes stand, kennen lernen. Er fragteHeine: „Sind sie mit Madame Dndevanr genauer bekannt?"„O ja!" erwiederte dieser, „aber ich habe sie zwei Jahrelang nicht gesehen; vor zwei Zähren war ich oft bei ihr."„Wird die Dame Ihnen diese Vernachlässigung nicht übelgenommen haben und Sie jetzt kalt ausnehmen?" fragtewiederum Laube. „Ich denke nicht; sie lebt ja auch inParis, und ihre Bücher lese ich doch alle", lautete die AntwortHeines. Man weiß, wie hoch er George Sand als „dengrößten Dichter in Prosa, den die Franzosen besitzen," zuschätzen wußte. Aber auch ihre Schwächen suchte Heine alsein wahrer Freund zu verdecken. Ans die Frage Laube's:„Und wer ist jetzt ihr Cavalier?" gab Heine die folgendecharakteristische Antwort: „Chopin, der Claviervirtuos, einliebenswürdiger Mann, dünn, schmal, vergeistigt wie eindeutscher Poet ans der Trösteinsamkeit." „Virtuosen müssenihr besonders angenehm sein," bemerkte Laube. „War nichtauch Lißl lange Zeit ihr Liebling?" — Tarauf Heine: „Siesucht Gott und er ist ja nirgends schneller zur Hand alsin der Musik. Das ist so allgemein, das fordert keinenWiderspruch heraus, das ist niemals dumm, weil es niemalsklug zu sein braucht, das ist Alles, was mau eben willund kann — das erlöst vom Geiste, der uns peinigt, ohnedock geistlos zu machen." —
An einem sonnigen Wintertag des Jahres 1839 war's,daß die beiden deutschen Dichter die Fahrt zu der französischenSchriftstellerin unternahmen. Natürlich trafen sie sie nichtzu Hause und überlegten nun, wen sie von den nahewohnendeuSchriftstellern überfallen sollten, Custine, Balzac, oder JulesJanin. Heine war eben bei Allen beliebt; er galt ihnenfast als ein Franzose und sie sprachen von ihm, wie wir