„Man kann sich wirklich nichts Aumuthigeres denken," soerzählte mir Lande, „als diesen kaum flügge gewordenen,freiheitsdurstigen, jungen deutsch-böhmischen Poeten mit derflatternden Dichtermähne, dem lang herabwallenden Locken-haar, den gutmüthigen Manieren und der ewigen Verliebt-heit. Wir hatten ihn alle sehr gern, am liebsten aber Heine.Ja, Frau Mathilde behauptete wiederholt und sehr entschieden,er sei der einzige Deutsche, welcher menschlich aussehe,wobei sie es nie unterließ, mir einen ironischen Seitenblickzuzuwerfen. Zch selbst wanderte damals mit Meißner oftallein, manchmal aber auch mit ihm und Heine über dieBoulevards, m die Kaffehäuser und Lesekabinette, Theaterund Vorlesungen. Er war kein Spielverderber, der jungeMeißner, zu jedem Spaß aufgelegt und bei jedem am Platze."
So Laube, der später, wie ich von ihm selbst gehörthabe, mit Meißner etwas auseinander gekommen ist. WieHeine über den jungen Poeten dachte, ist bekannt. Er zogihn allen anderen Deutschen vor und behandelte ihn mitbesonderer Liebenswürdigkeit. Ja er geht in seiner Freund-schaft für den jungen Poeten so weit, ihn in einer seinerfranzösischen Vorreden als den einzig berechtigten ErbenFriedrich Schillers in Deutschland zu bezeichnen.
Zu drei oder vier Werken hat Meißner selbst alle seine Er-innerungen an Heine niedergelegt. Alle seine Erinnerungen— ich muß mich korrigiren, denn ich glaube, wenn Meißnernoch fünfundzwanzig Zahre gelebt hätte, so hätte er nochimmerfort aus dem unerschöpflichen Schatz seines merk-würdigen Gedächtnisses uns die interessantesten und cha-rakteristischsten Mitheilungen über seinen unsterblichen Freundmachen können. Als sein bestes, als ein „Buch seinesHerzens" sah er die ersten „Erinnerungen an Heine" an,die er im Todesjahr des Dichters schrieb, als ringsumherim deutschen Vaterlande noch eine sehr kühle Luft für