— 171 —
natürlich von derselben Hand geschrieben. Wer halte nunaber diese schändliche Zntriguc ausgeheckt? Heine war sehrverdrießlich; er hatte sich schon ein schönes Abenteuer inseiner Phantasie ausgemalt, und witterte nun, daß dieserwohlfeile Spaß von seinen Feinden ausgegangen sein müsse,die ihn noch vor Kurzem ans gemeinste Art verfolgt hatten.Aber diesmal habe er, wie er jetzt sagte, derartiges ahnend,für alle Fälle eine scharfe Waffe eingesteckt, die er auchwirklich in Gestalt eines kleinen Dolches ans der Brusttaschezog! So lernte Müller von Königswinter Heinrich Heinekennen.
Die Auflösung des Räthsels folgte aber erst einigeZahre später. Und zwar auf einen Karnevalsball in Köln,wo eine reizende junge Dame dem rheinischen Dichter er-zählte, daß ihre Freundinnen, unter denen sich einige be-sonders lustige und lebensfrische Rheinländerinncn befanden,sich den Spaß gemacht hätten, die drei Schriftsteller in derrne Rivoli aufzupflanzen. So löste sich der abenteuerlicheSpuk in einen harmlosen Scherz auf, wie so vieles Andere,was Heine mit dem ihm eigenen Pessimismus von Zugendan, als eine Zntriguc offener Feinde oder falscher Freundeanzusehen geneigt war. Nur an Ferdinand Hiller wurdeer nicht irre. Ihm hat er nicht ein einziges Mal die Freund-schaft aufgekündigt, und das will viel sagen! Aber Hiller hatdiese feste und treue Freundschaft um seiner innigen undbegeisterten Anhänglichkeit an Heine willen wohl verdient.Er war und blieb ihm ein aufrichtiger Verehrer und hin-gebender Freund vom ersten Tage ihrer persönlichen Be-kanntschaft an bis zum Tode des Dichters, ja über das.Grab hinaus. Noch in den letzten Zahren erzählte er seinenvielen Lesern in den „Gesprächen mit Todten" von seinemFreunde Heine, den er an den acherontischen Gestaden traf,mit dem er von entschwundenen Tagen, verflossenen glück-