Druckschrift 
Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
166
Einzelbild herunterladen
 

— 166 —

machte ihn aber für die Schwächen Heines, menschliche so-wohl wie poetische, keineswegs blind. Und ebenso ehrteHeine in Hiller den liebenswürdigen Menschen, den auf-richtigen Freund, während er dem Virtuosen und Komponistennur bedingtes Lob zollen konnte. Ein Brief Heines anHiller, in dem dieser dem inzwischen nach Köln gezogenenMusiker anläßlich des Todes seiner Mutter kondolirt, zeigt,wie warm er dieses freundschaftliche Verhältniß auffaßteund welch innigen Antheil er an den Schicksalen dieserFamilie nahm. Er schreibt dort: „Von Tröstung kein Wort;wer in gewissen Fällen getröstet werden kann, der har gewißdes Trostes nicht nöthig.... Da die Kunst Ihnen nichtblos ein Spielzeug ist, da Sic ihr immer mit Ernst zugethauwaren, wird sie sich wohl jetzt dankbar erweisen und IhreSchmerzen etwas lindern. Das erwarte ich; nichts mehr..."Das Schreiben ist in dem gesammelten Briefwechsel nach-zulesen, wo auch noch andere Briefe an Hiller sich finden;ein großer Theil aber scheint verloren oder verweht zu sein.Wenn Hillers gesammter Briefwechsel einmal an die Oeffenr-lichkeit gelangt, so wird man darin gewiß zahlreiche undsehr interessante Miitheilnngcn über seine Beziehungen zuHeine finden, wenn auch keine Briefe von Heine selbst,denn „ich biil ganz ausgeheinct", schrieb mir Hiller nochwenige Monate vor seinem Tode auf eine diesbezüglicheAnfrage.

Es ist merkwürdig, daß Hiller fast nichts von HeinesGedichten komponirt hat, so nahe dies bei so innigen per-sönlichen Beziehungen gelegen hätte. Als Hiller zum zweiten-mal in Paris lebte (1836) war sein Salon in der RueSaint-Florentin wieder das Rendezvous aller berühmtenVirtuosen und Komponisten. Auch Heine war regelmäßigerGast. Dort ärgerte er Cherubini, neckte er Chopin und Bellini,dort auch lernte er alle bedeutenden Sänger und Komponisten