Druckschrift 
Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
154
Einzelbild herunterladen
 

154

affektiven Ruhe ertragen sehen, als Heine. Er beklagtesich wohl zuweilen über seine Leiden und war gerührt,Thränen in meinen Augen zu sehen, aber dann plötzlichbemühte er sich sofort wieder, mich über einen Scherz lachenzu machen, was ihm stets großes Vergnügen bereitete. Erzeigte nicht gerade Angst, er suchte aber auch nicht, sie zuverbergen oder die Rolle eines kalten Stoikers zu spielen.Ich habe ihn überhaupt damals viel weniger sarkastisch, da-gegen viel herzlicher, angenehmer und wohlwollender als jegefunden. Nach einigelt Wochen näheren Verkehrs bat ermich, ihm nicht zu sagen, wann ich fortreisen würde, weiler es nicht ertragen könnte zu sagenLebe wohl ans ewig!"oder dies zu hören. Er wiederholte, daß ichals ein schöner,gütiger Todesengcl" gekommen sei, um ihm die letzten Grüßeder Zngend und der Heimath zu bringen und diebösenfranzösischen Gedanken" zu zerstreuen.

Wenn Heine mit mir deutsch sprach, sagte erDu"und gebrauchte meist so familiäre Ausdrücke, wie sie inDeutschland Kindern gegenüber angewendet werden. Spracher französisch, so war ich »Nnckniaa" und »Voas".

Es war mir klar, daß ich ihn an eine glückliche Zeitseines Lebens erinnerte, und daß es ihm Trost in seinenLeiden gewährte. Deutsch sprechen zu können. Einmal sagteer: das, was er am meisten an mir liebe, sei, daß ich soherzlich lache, was die Französinnen nicht könnten. Ichvertheidigte »In viailla Mitö tr-na^nis«," er aber sagte:»Oui, o vst vrni, esln kxistnit nudi'kkvis. ranis nvou«?,rnn elräi-a, gas e'stnit aas Aaits na psa bäte." Er hatteso wenig Empfindung für das, was ich am meisten amfranzösischen Charakter geliebt habe, daß ich sehen konnte,er mußte nur in solchen französischen Kreisen sich bewegthaben, die keinen höheren Maßstab für die Werthung derNation abgeben können. Zm Gegensatze hierzu zitterten