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Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
136
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Nichts ist in dieser Beziehung charakteristischer fürHeines dichterische Auffassung der Kunst, als sein geistigesVerhältniß zuPaganini, das wir deshalb etwas aufmerksamerbetrachten wollein

Heine lernte Paganini im Zahre t828 kennen, alsdieser die Hamburger Kaufmannswelt in Entzücken versetzte.Er besuchte jedes Konzert des berühmten Virtuosen undgab sich — wie ein Freund versichert — dem zauberischenEindruck vollkommen gefangen, den das Spiel Paganinishervorbrachte. Nach dem Konzert allerdings bemerkte der-selbe Freund, daß der junge Dichter nicht ohne Eifersuchtdas ungeheure Aufsehen betrachtete, welches der gefeierteViolinkünstler erregt hatte. Auch bei der ladls ä'siccka im„König von England" — dessen origineller Wirth, Z. W.Marr, der Vater des berühmteil Schauspielers war — hatteHeine Gelegenheit, Paganini kenneil zu lernen, und ihn,wie seinen ständigen Begleiter, den SchriftstellerGeorg Harrysaus Hannover, genau zu beobachten. Offenbar hatte Heineschon damals die Absicht, Beide zum Gegenstand einerSchilderung zu machen. Doch forderte er zunächst AugustLewald auf, über Paganini zu schreiben. Als dieser abernicht Wort hielt, machte ihm Heine Vorwürfe darüber: erhabe ihm den so werlhvollen Stoff freundlichst überlasseilwolleil, und es sei Unrecht, daß er ihn nun verschmähe.„Solcher Scherze" — fügt Lewald hinzu — „war er stetsvoll. Sehr schnell ward er von einer Zdee ergriffen underfüllt, aber zur Ausführung kam es nie."

Zndeß sollte diese Zdee doch zur Ausführung kommen,denn die Erinnerung an Paganinis Zauberspiel lebte nochlange in dem Dichter fort und gestaltete sich noch nach Zährenzu jenem wundervollen Capriccio in den „FlorenlinischenNächten", das wohl als eine unübertroffene Charakteristikdes Paganinischen Violinenspiels gelten darf.