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Bedingnisse, wie die Kunst des Zeichnens und die Farben-lehre, oder gar Palette und Pinsel nicht die Malerei sind,sondern nur nothwendige Mittel. Das Wesen der Musik istOffenbarung, es läßt sich keine Rechenschaft davon geben, unddie wahre musikalische Kritik ist eine Erfahrnngswissenschaft."
Es ist klar, daß diese Definition wenig mehr als einegeistreiche Ausflucht war, eine Nothbrücke, über die derDichter kühnen Muthes zu einer sehr interessanten Parallelezwischen Rossini und Meyerbeer schritt. War ihm diesegelungen, so sah er kein Hinderniß mehr, die musikalischeKritik ganz offiziell zu treiben. Und in der Thal, man mußgestehen, daß die Urtheile, die Heine über Componisten undKünstler fällte und die er in seiner „Lutetia" gesammelthat, wahrer und zutreffender sind, als die gelehrtesten undumfangreichsten Musikkritiken Anderer. Er errieth in Wahr-heit mehr als Andere Wichten. Intuiriv erfaßte er mitwunderbarem Scharfsinn und einer glühenden Phantasiedas Wesen der Musik, die Intentionen des Componisten,die Gedanken des Künstlers. Es ging ihm mit der Musikwie mit mancher Wissenschaft, insbesondere der Philosophie,deren Wesen und Bedeutung er ja auch klarer darzustellenverstanden hat, als mancher exakte Forscher. Und dennochgingen weder hier noch dort seine Urtheile über die Grenzehinaus, die den Dilettanten vom Fachmann trennt.
Aber er war in hohem Grade empfänglich für Musikund — hier trennt sich meine Ansicht von der FerdinandHillers — eine ernste Komposition konnte ihn tief ergreifen,ja bis zu Thränen rühren. Ich meine überhaupt, daß esmit seinem „Ergriffensein" doch wohl mehr auf sich gehabthat, als seine persönlichen Freunde glauben mochten, diees miterlebten, daß Heine auf jeden ernsten Moment eineFluth von Scherzen folgen ließ und jede tiefere Regungdurch ein satyrische Sturzwelle vernichtete.