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Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
120
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hörte, ich weiß nicht mehr was, aber ich möchte daraufschwören, er variirte einige Themata ans der Apokalypse.Anfangs konnte ich sie nicht ganz deutlich sehen, die viermystischen Thiere, ich hörte nur ihre Stimmen, besondersdas Gebrüll des Löwen und das Krächzen des Adlers.Den Ochse» mit dem Buche in der Hand sah ich ganz genau.Am besten spielte er das Thal Josaphat. Es wareu Schrankenwie bei einem Turnier, und als Zuschauer um den un-geheuren Raum drängten sich die auferstandenen Völker,grabesbleich und zitternd. Zuerst galoppirte Satan in dieSchranken, schwarz geharnischt auf einem milchweißenSchimmel. Langsam ritt hinter ihm her der Tod, aufseinem fahlen Pferde. Endlich erschien Christus in goldnerRüstung auf seinem schwarzen Roß, und mit seiner heiligenLanze stach er erst Satan zu Boden, hernach den Tod, unddie Zuschauer jauchzten . . . Stürmischen Beifall zollte mandem wackern Lißt, welcher ermüdet das Klavier verließ, sichvor den Damen verbeugte . . ."

Natürlich nimmt Heine nun auch sofort Stellung zudem damals ganz Paris in zwei Lager theilenden Lißi-Thalberg-Streit, und er kommt dabei zu der Ueberzeugung,daß die technische Ausbildung beider Künstler sich wohl dieWage halten dürfte, daß aber ihr „geistiger Charakter"die schroffsten Kontraste aufweise: „Der edle, seelenvolle,verständige, gemächliche, stille, deutsche, ja österreichischeThalberg, gegenüber dem wilden, wetterleuchtenden, vul-kanischen, himmelstürmenden Lißt!"

Es ist eine natürliche Empfindung, daß wir bei derKritik eines Schriftstellers über seinen Freund uns sofortfragen: Was mochte der wohl dazu gesagt haben? Glücklicher-weise sind wir diesmal in der Lage, diese Neugier befriedigenzu können, denn der einzige Brief, den wir von Lißt auHeine besitzen, ist die Antwort auf diese Kritik, und zwar