— 114 —
Munde ihm nur schmeicheln konnten. Hier hatten wir beide,Sie und ich, wieder sehr schlecht gesessen, denn der großePhilosoph hatte in der That keine Zeit gefunden, au eineErneuerung seiner Möbel zu denken."
Aber auch die spiritualistischeu Ideen Ballanches warennur eine Phase in dem Entwicklungsgang Heines und Lißt's.Es kam nun eine dritte, eine neue und gefährliche Macht,die keine fremden Götter neben sich duldete und deren Altäreumstürzte — die Liebe! Zu ihren Fesseln lagen die folgen-den Jahre über der Dichter wie der Künstler. Hier wiedort war es nicht eine langsam keimende oder leidenschaftlichemporlodernde Liebesglnth, sondern „ein Zufall, ein Spiel,eine Laune, ein Unglück", das beide in die Arme der Liebetrieb; nur daß es hier ein junges Mädchen aus der Nor-maudie, ein hübsches Laudmädcheu, dort eine gefeierte Frauder Welt, eine Mutter und Gattin war, die die Licbes-flammeu entzündete. Heine liebte Mathilde Mirat undheirathete sie, Lißt liebte die Gräfin d'Agoult und heirathetesie nicht. Das ist der ganze Unterschied zwischen beiden;aber freilich, auch dieser Unterschied ist vielleicht nur einSpiel des blinden und blöden Zufalls oder eine Laune desUnglücks gewesen.
In jenen Zahreu begegneten sich Lißt und Heine sehroft. Sie lebten in einem Kreise, der die Salons der Gräfind'Agoult, der Fürstin Bclgiojoso, der Dichterin George Sandumfaßte. Auch bei Ferdinand Hiller, bei dem MusikverlegerMoriz Schlesinger, bei Hector Berlioz und anderen sahensie sich oft. Die Freundschaft der drei obengenannten Frauenaber vermittelte hauptsächlich ihre eigene Freundschaft. DieGräfin d'Agoult, die Lißt leidenschaftlich liebte, verehrteHeine als Dichter. Sie selbst war bekanntlich eine ausge-zeichnete Schriftstellerin unter dem Pseudonym Daniel Stern,und als sie einmal in der „kavus äss äeux inoucks" ihre