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blättere, eine Fülle des Jammers nnd des Schmerzes. Ueberdie Frankfurter Juden war mir Schudt sehr nützlich;*) ichhabe beide Quartbände ganz durchgelesen und weiß nicht,ob ich mich mehr geärgert über das Riscbus (Judenhaß),das über jedes Blatt ausgegossen, oder ob ich mich mehramüsirt habe über die Rindviehhaftigkeit, womit das Rischusvorgebracht wird. O, wie haben wir Deutsche uns vervoll-kommnet!" Etwas von diesen Gefühlen ist aber auch iudie Stimmung übergegangen, welche Heine gegen Frankfurthegte. Ueberall, so oft er auf jeue ewigen Gegensätze zurück-kommt, klingt etwas von dieser Stimmung hinein. Sie läßtsich leicht aus jeuem bekannten und bereits erwähnteil Sonettauf die Frankfurter Bürger, die ein Goethedenkmal errichtenwollen, heraushören. Den eigenthümlichsten Ausdruck abererhält sie in seinem Buch über Börne, welches ja zum großenTheil gleichfalls auf Frankfurter Vorgänge sich bezieht.
Es ist bereits gesagt worden, daß es damals (1839)Heine's Hauptzweck war, jenen uralten Gegensatz zwischenHellas und Jndäa auf sein Verhälrniß zu Börne anzuwenden.Es paßte ihm, Börne zu einem spindeldürren Nazarenerund sich zu einem vollblütigen Hellenen zu stempeln. Aberwenn ihn jene Stimmung der Wahrheit überkam, die imLeben keines Poeten fehlen kann, so gestand er es sich selbstein, daß auch er im Grunde nur ein spiritualistischer Naza-rener sei, und dann entströmte ihm das offene Geständniß;„Wenn ich am Tage wohlbeleibt und lachend dahinwandledurch die funkelnden Gassen Babylons, glaubt mir's, sobaldder Abend herabsinkt, erklingen die wehmüthigen Harfeniit meinem Herzen und gerade des Nachts erschmettern allePauken und Epnibeln des Schmerzes, der ganzen Janitschareu-musik verhaltener Quell, und es steigt empor der entsetzlichgellende Mummenschanz . . ."
*) Judische Merkwürdigkeiten. 4 Theile. Frankfurt 1717 — 18.