Mit der ihm eigenen allerliebsten Bosheit hat er dann wahr-scheinlich Grillparzer den Unterschied zwischen der deutschenund französischen Tragödie klar gemacht, und ist schließlich,scheinbar ganz absichtlos, auf die Schicksals-Tragödie fol-gendermaßen zu sprechen gekommen:
„Hören Sie, ist es Ihnen noch nie begegnet, daß Sieinnerlich mißvergnügt, verstimmt und ärgerlich des Abendsaus dem Theater kamen, obschon das Stück, das Sie ebensahen, recht dramatisch, theatralisch, kurz voller Poesie war?Was war nun der Fehler? Antwort: Das Stück hattekeine Einheit des Gefühls hervorgebracht. Das ist es.Warum mußte der Tugendhafte untergehen durch List derSchelme? Warum mußte die gute Absicht verderblich wirken?Warum mußte die Unschuld leiden? Das sind die Fragen,die uns marternd die Brust beklemmen, wenn wir nach derVorstellung von manchem Stücke aus den: Theater kommen.Die Griechen fühlten wohl die Nothwendigkeit, dieses qual-volle Warum in der Tragödie zu erdrücken, und sie ersannendas Fatum. Wo nun ans der beklommenen Brust einschweres Warum hervorstieg, kam gleich der ernste Chorus,zeigte mit den Fingern nach oben, nach einer höheren Welt-ordnung, nach einem Urrathsschluß der Nothwendigkeit, demsich sogar die Götter beugen. So war die geistige Ergänzungs-sncht des Menschen befriedigt, und es gab jetzt noch eineunsichtbare Einheit: — Einheit des Gefühls. Viele Dichterunserer Zeit haben dasselbe gefühlt, das Fatum nachgebildet,und so entstanden unsere heutigen Schicksals-Tragödien.Ob diese Nachbildung glücklich war, ob sie überhaupt Aehn-lichkeit mit dem griechischen Urbild hatte, lassen wir dahin-gestellt. Genug, so löblich auch das Streben nach Hervor-bringnng der Gefühlseinheit war, so war doch jene Schicksals-Jdee eine sehr traurige Aushilfe, ein unerquickliches, schäd-liches Surrogat. Ganz widersprechend ist jene Schicksals-Zdee
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