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der deutschen Litteratur, ja, er setzte sie allen anderen voran;Grillparzer war anderer Ansicht: „Ich kenne kein Ganzes,als welches aus Einzelnen besteht. Diesen aber fehlt derNerv und der Charakter . . . Ich ehre die deutsche Lite-ratur; wenn ich mich aber erfrischen will, greife ich doch zueiner fremden." Ein beschämendes, aber in seiner naivenAufrichtigkeit merkwürdiges Geständniß, das uns den ganzenGrillparzer in seiner Größe wie in seinen Fehlern versinn-licbt, das aber auch zugleich ein helleres Schlaglicht auf dieliterarischen Zustände jener Zeit wirft, als dies die um-fangreichste Cnltnr- oder Literaturgeschichte zu leistenvermöchte.
Es waren vier Jahre seit dem Tode Goethe's, den erja anbetete, verflossen, als Grillparzer Heine gegenüber dieseAnsicht über die deutsche Literatur aussprach.
In Heines Schriften und Briefen wird Grillparzerüberhaupt wohl nur zweimal im Vorübergehen erwähnt: daseinemal berichtet er in seinen „Briefen ans Berlin" unter deninteressanten Klatschgeschichten, daß an Grillparzer dasMnnn-script seiner Trilogie „Die Argonauten", welches er der In-tendanz des Berliner Hoftheaters eingeschickt hatte, von die-ser wieder zurückgesandt worden sei; zum zweitenmal erwähntHeine Grillparzer in seinen „Briefen über die französischeBühne" aus dem Jahre l837 — wohlgemerkt, ein Jahrnach dem Besuche Grillparzer's — indem er ihn unter die„Großdichter der deutschen Poesie" versetzt und neben Goethe,Schiller, Kleist, Jmmermann, Grabbe und Uhland stellt.Er behauptet dort, daß der Werth der Grillparzerschen wiealler anderen deutschen Tragödien mehr in der Poesie alsin der Handlung und Passion bestehe, und daß dies seinenGrund in dem deutschen Leben habe, dessen stille Gewässerim Zwangsbette des Herkommens ruhig dahinfließen undmehr Tiefe als Wellenschlag verrathen.