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Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
72
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Psalmverses: „ Der Fromme gleicht der Palme": Wie diesevon Sehnsucht erfüllt ist, so sehnt sich das fromme Herz»ach Gort. Ein Rabbi erzählt zur Erläuterung dieses Aus-spruches Folgendes: Einststand eine Palme in Emans, dietrotz aller Sorgfalt und Pfropfversuche des Gärtners un-fruchtbar blieb — da sprach ein Palm-Kundiger:

„O, diese Palme sehnt sich nach einer anderen inJericho!" — In Folge dessen holte man eine von dort her,verband sie mit ihr, und bald darauf prangte sie frucht-beladen."

Soweit die Erzählung des Miorasch.

Es scheint mir kaum fraglich, daß Heine diese Midrasch-Stelle einmal von einem seiner gelehrten Freunde in Berlin— Zuuz, Markus, Friedläuder, Moser, Wohlwill u. A. —gehört oder in einer Sammlung hagadischer Erzählungengelesen hat, und daß sie ihn zu jenem Gedicht anregte, daja in den Tagen der Romantik und der Nachahmungenorientalischer Poesie ein so poetischer Stoff dem Dichter ganzbesonders sympathisch und wahlverwandt sein mußte.

Aber noch eine zweite nicht minder interessante Pa-rallele kann ich zu dem Motiv von der sehnenden Palmenachweisen, eine Quelle, deren Verhältniß zu dem Midraschsowohl wie zu Heine tiefverborgen in der Zeiten Schooßeruht, da sie von beiden gleichweit entfernt ist.

Denn aus dem farbenglänzenden Orient, von Palästina,einen großeil Erinnerungen und poetischen Reichthiimern,führe ich die geneigten Leser, die sich für die Wanderungenund Wandelungen etiler dichterischen Idee interessiren, nachdem Lande des Weins und der Gesänge, nach Spanien —lind zwar in Me Zeit, da in diesem schölten Lande dergroße „Blüthentranm der Weltgeschichte" geträumt ward,da unter der Herrschast der Araber — etwa vom 9. biszum 12. Jahrhundert — Kultur und Wissenschaft, Poesie