seine Liebesschmerzcn und das Weh der Trennung von derGeliebten besingt.
Hat nun Heine diesen Stoff erfunden oder entlehnt?War er Original oder — um mit Rückert zu sprechen — blosOrgan?
Ich möchte mich in diesem Falle, den ich aber nurals Ausnahme betrachte, für die Ansicht Friedrich Wickertsentscheiden, da eine Parallele zu diesem Gedichte existirt,von der sich allerdings nicht nachweisen, wohl aber sehrstark vermuthen läßt, daß sie Heine nicht unbekanntgewesen sei.
Die Quelle seines Gedichtes befindet sich in einemWerk, das auch recht eigentlich der Volksliteratur angehört,aber nicht der deutschen und auch nicht der des Mittelalters,sondern der hebräischen Literatur des Alterthums!Es ist dies der Midrasch, eine Sammlung der aus Heines„Roma.ncero" ja genügend bekannten Hagada. . .
Wo die schönen alten Sagen,
Engelmärchcn und Legenden,
Stille Märtyrerhistorien,
Festgcsängc, Wcisheitsspriichc,
Auch Hyperbeln, gar possirlich,
Alles aber glaubcnskräftig,'
Glaubensglühend — o, das glänzte,
Ouoll und sproß so überschwänglich.Den „Schauern jener seligen Geheimwelt" war auchHeilte, mehr als man glauben möchte, zugänglich, und indem phantastischen Garten der Hagada pflückte er mancheBlüthe, die später im Blumengarten deutscher Poesie zurherrlichen Reife sich entfaltete. Aus diesem Kreise hat erallem Anscheine nach auch das Grundmotiv jenes Gedichtesgeholt. Denn eben in diesem Midrasch — dessen Entstehungetwa in die erstell vier Jahrhunderte der christlichen Zeit-rechnung fällt — findet sich die folgende Anwendung des