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Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
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ist ein wirkliches Volkslied, welches ich am Rheine gehört,"und daß das Gedicht in der That in keine kritische Sammlungdeutscher Volkslieder aufgenommen wurde. Man hielt esallgemein für ein Erzeugnis? Heine's und doch ist dasGedicht:Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht" ein echtesund unverfälschtes rheinisches Volkslied, das der Dichternur mit Meisterhand durch wenige Striche umgewandelt hat^).

Aber nicht überall und nicht immer hat Heine so freiund unumwunden -seine Quelle angegeben und auch nichtin allen seinen kleinen Liedern gehört der Stoff seinereigenen poetischen Phantasie, an. Ich möchte dies heutemit Bezug auf eiues seiuer formvollendetsten und schönstenGedichte nachzuweisen versuchen, nämlich für das Lied vomFichtenbanm und der Palme:

Ein Fichtcnbaum steht einsamZin Norden auf kahler Höh'.

Ihn schläfert; mit weißer DeckeUmhüllen ihn Eis und Schnee.

Er träumt von einer Palme,

Die fern im MorgenlandEinsam und schweigend trauertAuf brennender Fclfenwand.

Es ist zweifellos, daß dieses kleine Gedicht eines dermeisterhaftesten Stimmungsbilder der deutschen Poesie est,die ilt der Verlebendignng der Natur, in der Beseelung derPflanzenwelt als Spiegel des menschlichen Gemüthes, dochso bedeutende Schöpfungen wie die Naturbilder Goethes,Uhlands, Leuans und Geibels besitzt. Was aber diesesHeiuesche Gedicht besonders auszeichnet, ist seilte Plastik unddie Klarheit der darin ausgesprochenen Empfindungen, iudenen der Dichter unter einem vieldeutigen Bilde, dasdennoch seiner Einfachheit wegen keiner Erklärung bedarf,

Vergl. das ausgezeichnete Buch von H. Hüffer:Aus demLeben Heinrich Heines" (Berlin 1878) S. 122 ff.