Kaum in Hamburg angekommen, machte er Campeseinen Besuch und gab das Mannscript ab. Damit warder erste Auftrag erledigt. GustavHeine scheint sich aber damitnicht begnügt zu haben, denn wir erfahren aus einer Ant-wort des Dickters vom 1V. September 1851 Folgendes:„Meines Bruders Verfahren in Bezug auf Sie hat michsehr verstimmt, und ich werde ihm nie mehr wieder beiLebzeiten noch posthum einen Auftrag für Sie geben."
Den zweiten Auftrag erledigte Gustav Heine mit derihm eigenen Gewandtheit zur Zufriedenheit Heinrichs, demer übrigens die obenerwähnten 5000 Francs schon in Parisvorgesckossen hatte, die dieser wiederum binnen Jahresfrist„bis zum letzten Sons" zurückbezahlte.
Den dritten Auftrag ebenso prompt zu erledigen, lagwohl nicht in Gustav's Macht. Aber wir dürfen wohlannehmen, daß er sich die redlichste Mühe gegeben hat,Herrn v. Holbein zur Annahme des Hcine'schen Ballets zubewegen. Leider vergebens!
Aber man würde fehlgehen, wollte man glaubeil, daßdie Beziehungen zwischen den Brüdern durch das Zusammen-leben und die geschäftlichen Couuexioneu erheblich bessergeworden seien. Fortwährend beklagt sich Heinrich über den„krakehligen Charakter" feines Bruders, dem er eine Ein-mischung in seine literarischen Angelegenheiten nicht ver-trauen dürfe, — „bei aller brüderlichen Liebe", wie ernie hinzuzufügen unterläßt.
Ja, die Verstimmung erreicht ihren Höhepunkt, alsGustav Heine gerade ein Jahr später — im August 1852— ans eigener Machtvollkommenheit Julius Campe inHamburg einen Besuch macht, um diesen zu bereden, sichden von Heinrich gestellten Honorar-Bedingungen für die„Lutetia" unbedingt zu fügen, und dabei die Drohungfallen läßt: es habe sich in Wien ein Comits gebildet,