Druckschrift 
Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen
 

— 61 —

Ungläubige, welche die Anthenticität dieser Geschichten be-zweifeln sollten, bemerke ich mit kritischer Genauigkeit, daßdie erste von Max, die beiden anderen — von Gustav Heineselbst berichtet worden sind.)

Es ist natürlich, daß die politischen Differenzeil zwischenden beiden Brüdern damals nicht blas in Anekdoten »ndWitzen, sondern oft auch in sehr ernsthafter Weise zur Aus-sprache kamen. Wir habeil dafür das Zengniß Heine'sselbst, der am 28. August 1851 an Julius Campe schreibt:„Die Ankunft meines Bruders war mir sehr erfreulich, aberich litt sehr dadurch, daß er während seines Aufenthaltesiil der peinlichsten Verstimmung mar, weil er einestheilsbeängstigende, seine Interessen bedrohliche Nachrichten ausWien erhielt, anderentheils weil er eine todtkranke, von denschrecklichsten Nervenleiden geplagte Frau mit sich führte. . .Dazu kommt, daß die Verschiedenheit der politischeil Ansichteildennoch sogar nuter Brüdern einen fatalen Einfluß ausübt.Ich habe Manches nicht berühren können, und das störtejeden freimüthigen Erguß. Es ist doch eine schreckliche Sache mitder Politik; man kann sich über diesen Aberglauben nicht ganzHinanssetzen... Meine Uebersiedeluug nachHamburg war dasHanptthemn meiner Unterhaltungen mit meinem Bruder..."

Mit drei Aufträgen im Interesse des Dichters reisteGustav von Paris ab. Zuerst sollte er in Hamburg daskostbare, weil einzige Mannscript des „Romancero" JuliusCampe selbst übergeben, da Heine es der Post nicht an-vertrauen wollte ; dann sollte er in Prag eine Angelegenheitmit dem Direktor der dortigen Gasgesellschaft Ferdinandv. Friedland ordnen, bei dem Heine für baar geliehene16,000 Francs nun schon mit einer Summe von 5000 Francssich begnügeil wollte; schließlich sollte er bei der Intendanz,der Hofoper in Wien Heine's Tanzpoem „Der Doktor Faust"als Ballet anbringen.