wieder, und es erfolgte eine intime Annähcrnng. Heinrichwar damals ein armer, todlkranker Dichter, Gustav einwohlsituirter und angesehener Zeitungsbesitzer, der mitseiner ersten Gattin Emma, einer kleinen, zarteil Frau,nach Paris zu Besuch gekommen war. Zu großer Auf-regung warf sich die uerwöse Frau dem Dichter in die Arme,dessen Mathilde, eine große, volle und stattliche Erscheinung,daneben stand. „Bruder", sagte Heinrich malitiös lächelnd,indem er seine neue Schwägerin umarmte, „du hast vonzwei klcbeln das kleinere gewählt." Dann kam das Ge-spräch natürlich auf die Schöpfungeil des Dichters, der ebenail seinem „Romancero" arbeitete lind dem Bruder vondiesen Gedichteil erzählte.
„Gieb sie mir," rief Gustav eifrig, „ ich werde sie durchmein Blatt verbreiten."
Heinrich war anfangs verblüfft, machte aber dann einharmloses Gesicht und sagte in demüthigem Tone: „Ach,lieber Bruder, Du hast Recht, das ist eine gute Idee —da kann ich ja noch einmal berühmt werden."
Der weitere Verlauf des Gespräches führte natürlichauch auf die religiöse Wandlung des Dichters, die damalsTagesgespräch in Deutschland war. Gustav fragte ihn, ob esdenn wahr sei, daß er eine Betschwester geworden, undHeinrich replicirte: „Nein, ich bin vielmehr ein Betbrudergeworden, und ich bete alle Tage zum liebeil Gott, daß erdir, lieber Brnder, bessere politische Gesinnungen eingebe."Als Gustav bemerkte, wie sehr er sich freue, daß seinBrnder kein Atheist mehr sei, und wie gut es wäre, wenner über diese religiöse Wandlung sich öffentlich ausspräche,erwiderte Heine abwehrend: „Was kann dem großen weißeilElephanten des Königs von Siam darall gelegen sein, obein kleines Mäuschen in der Rur d'Amsterdam zu Parisan seine Weisheit und Größe glaubt oder nicht?" (Für