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Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
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überstanden, auch nicht blos zwei Dichter: das waren zweiverschiedene Weltanschauungen, zwei sich ablösende Zeitalter,das Abendroth der klassischen Periode neben dem Frührotbdes jungen Tages, den Goethe selbst prophetisch geahnt hatte!

Zu ruhigen Stunden erkannte aber Heine auch da-mals schon die weltumfassende Bedeutung Goethe's a»,und es ist hier schon aus den Aufzeichnungen EduardWedekiud's mitgetheilt worden, wie Heine bei einer ge-legentlichen Kontroverse ihnden Stolz der deutschen Lite-ratur" genannt hat. Von welchem weittragenden EinflüsseGocthe's Schöpfungen auf Heine gewesen sind, ist kaum nochgebührend gewürdigt; mit Recht ist hervorgehoben worden, wieGoethe imWestöstlichen Divan" eine neue Phase der Pro-sodie eröffnet,welche, sich von den antiken Metren ab-wendend, sich zu neuen Freiheiten aufschwingt". Und wieer hierin den Ton angeschlagen, in dem alle jüngerenDichter, vor allen aber Heitie, gesungen haben, und dergerade in den Schöpfungen des jungen Poeten, die injene Zeit fallen, am meisten und am treuesten wiederkliugt.

Im Seebade Norderney wurde Heine in vollemSinne goelhereif. Welch' ein Fortschritt von den An-schauungen über Goethe, die der Göttiuger Studentkurz vorher entwickelt, zu der unbedingten Verehrung,die er dem Dichtergenius nun zollt! Und wie feinsinnigsind die Bemerkungen, die er au das geistreiche Gesprächzwischen hauuöverscheu Junkern über Schiller und Goetheknüpft! Die Frage: Was haltest Sie von Goethe? ist ihmein fester Maßstab, mit dein er alle Gedanken und Gefühlejedes Einzelneu messen kann, und in deren BeantwortungZeder sein eigenes Urthcil spreche. Goethe sei unsAllen eine gemeinschaftliche Welt, die der Betrachtungeines Zeden offen liege; mitseinem klaren Griechenauge"sehe er Alles, das Dunkle und das Helle, und schildere er