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Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
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Goethe schon oben verglichen. Wahrlich, als ich ihn inWeimar besuchte und ihm gegenüberstand, blickte ich un-willkürlich znr Seite, ob ich nicku anch neben ihm den Adlersähe mit den Blitzen im Schnabel. Ich war nahe daran,ihn griechisch anzureden; da ich aber merkte, daß er Deutschverstand, so erzählte ich ihm ouf Deutsch, daß die Pflaumenauf dem Wege zwischen Jena nnd Weimar sehr gut schmeckten.Ich hatte in so manchen laugen Wiuternächten darüber nach-gedacht, wie viel Erhabenes und Tiefsinniges ich dem Goethesagen würde, wenn ich ihn mal sähe. Und als ich ihn end-lich sah, sagte ich ihm, daß die sächsischen Pflaumen sehrgnt schmeckte». Und Goethe lächelte. Er lächelte mit den-selben Lippen, womit er einst die schöne Leda, die Europa,die Danae, die Semele nnd so manche andere Prinzessin

oder auch gewöhnliche Nymphen geküßt hatte "

Dieser Bericht klingt denn doch ganz anders, als dieBriefe an Moser; Heine mar eben inzwischen goethereifgeworden. Für unsere Zwecke gilt es jedenfalls, festzustellen,daß Heine den hier geschilderten Besuch bei Goethe auchwirklich gemacht habe, da die Wahrheit seiner Erzählungwiederholt in Zweifel gezogen worden ist. Karl Gocdekewar es zuerst, der in einem sonst so vortrefflichen „Grund-riß zur Geschichte der deutschen Dichtung" Folgendes ge-schrieben: „Um sich zu erfrische», machte Heine im Herbstl824 eine Wanderung über den Harz und von da zurückdurch Thüringen. Aus dieser Reise will er in Weimar auchGoethe besucht habe» und von ihm sehr wohlwollend auf-genommen worden sei». An Barnhagen, dem er wohl nichtdarüber geschwiegen hätte, schreibt er nichts davon, Goethehat seiner niemals gedacht, auch in den Gesprächen mitEckermaun nicht, und Hai wohl niemals eine Zeile vonihm gelesen. Die Erwähnung dieses Besuches in einem