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Studien zu vollenden, fand er mit seinen Sympathien UrGoethe nur wenig Anklang unter den Studiengenossen. Nachden Miirheilungcn eines Tagebuchs von Eduard Wedekind ansjeuer Zeit drehte sich die ästhetische Kontroverse oft um Goethe;Heine liebte damals Schiller freilich mehr, aber Goethegefiel ihm besser. „Goethe", sagte er einmal, „ist der Stolzder deutschen Literatur, Schiller der Stolz des deutschenVolkes." Im Gegensatz zu seinen Freunden stellte er Goetheals Dramatiker über Schiller; den „Egmont", meinte er,habe Letzterer nie erreicht. „Werther's Leiden" hatte Heinedamals noch nicht gelesen; er wollte eines Tages das Buch,welches Wedekind besaß, mit nach Hause nehmen, legte esaber wieder hin, weil er fürchtete, es werde ihn in seinerdamaligen trüben Stimmung zu sehr aufregen. Eines Tages
— es war am 20. Znni 1824 — kamen die beiden Freundeauf Goerhe's „Faust" zu sprechen. „Ich denke auch einenzu scbreiben", sagte Heine; nicht um mit Goethe zu rivalisircn,nein, nein, jeder Mensch sollte einen „Faust" schreiben." —„Da möchte ick Ihnen rarhcn", erwiderte Wedekind, „ihnnickt drucken zu lassen, sonst würde das Publikum . . . ."
— „Ach, hören Sie", unterbrach Heine den Freund, „andas Publikum muß mau sich gar nicht kehren; Alles, wasdasselbe über mich gesagt hat, habe ich immer nur so nebenhervon Anderen erfahren." — „Freilich haben Sie insofernRecht, als man sich nickt durch das Publikum irre machenlassen, noch nach seiner Gunst haschen soll; aber man solles auch nickt im voraus gegen sich einnehmen, und ihm einunbefangenes Unheil lassen, und Sie würden es gewißeinigermaßen gegen sieb einnehmen, wenn Sie nack Goetheeinen „Faust" schrieben. Das Publikum würde Sie fürarrogant halten, es würde Ihnen eine Eigenschaft unter-legen, die Sie gar nicht besitzen." — „Nun, so wähle ich einenanderen Titel"; damit schloß Heine die Unierhaltung.