Druckschrift 
Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

17

zeigen, wie läppisch und albern es erscheinen würde, wennman alte, längst untergegangene Institutionen des Mittel-alters wieder neu aufrichten wollte unter de» neuenBildungen einer neuen Zeit."

Das ist Heinc's beachtenswerthestes Urtheil über Berlinsäußere Erscheinung. Es sei hier aber auch gestattet, nocheinen der heitersten Ergüsse seiner Satyre zu eitiren; ichmeine jenes Urtheil, das er einer der tinsterblichen, pracht-volleil Gestalien seiner Phantasie, jener klassisch-dummen,harmlos-naiven Signora Franceska in denBädern vonLncca" gegenüber, über Berlin ausspricht:

Signora wunderte sich nicht wenig, als ich ihr sagte,daß ich selbst lange Zeit in der EapiimltZ «lalla l'rimmagelebt habe, nämlich in Berolino, einer Stadt, die ganzoben in der Geographie liegt, unfern vom Eispol. Sieschauderte, als ich ihr die Gefahren schilderte, denen mandort zuweilen ausgesetzt ist, wenn Einem die Eisbären aufder Straße begegnen. Denn, liebe Franceska, erklärte ichihr, in Spitzbergen liegeil gar znviele Bären in Garnison,und diese kommeil zuweilen aus einen Tag »ach Berlin,um etwa aus Patriotismus den Bär und Bassa zu sehen,oder einmal bei Bepcrmann im Cafö Royal gut zn essenund Champagner zn trinken, was ihnen oft mehr Geldtostet, als sie mitgebracht; in welchem Falle einer von denBäreil so lange dort angebunden wird, bis seine Kameradenzu rückkehreil und bezahle», woher auch der Ausdruck,einenBären anbinden" entstanden ist. Viele Bären wohneil inder Stadt selbst, ja man sagt, Berlin verdanke seine Ent-stehung den Bären und hieße eigentlich Bärlin. Die Stadt-baren sind aber übrigens sehr zahm und einige darunterso gebildet, daß sie die schönsten Tragödien schreiben unddie herrlichste Musik komponiren. Die Wölfe sind dort eben-falls häufig, und da sie der Kälte wegen Warschauer Scbaf-

2