— 15 —
mehreren Tagen in Berlin gestattet werden würde. Es wurdenicht zugegeben, trotz aller Bemühungen Humboldt's, jatrotz des Interesses, das Friedrich Wilhelm IV. selbst fürseine Gedichte hegte. Das Vaterland verbannte damals alleseine treuen Söhne, warum sollte Heilte davon ausge-schlossen worden sein?
Aber die Erinnerung an Berlin, dem er so vielegeistige Anregungen zu danken hatte, verließ ihn zu keinerZeit seines Lebens, nicht einmal auf der vielberufenenMatratzengruft, seinem Sterbebette.
Sie kehrt denn auch in den meisten seiner Schriftenwieder, bald in ernster, bald in humoristischer Weise, inProsa wie in Versen, und wir werden zur Vervollständigungdieser Skizze nur zwei Urtheile Heine's über Berlin, einernstes und ein scherzhaftes, hier vorführen.
Jenem Eingangs erwähnten Berliner gegenüber, derseine Vaterstadt so hochhält, daß er keine andere Stadt nebenihr aufkommen läßt, spricht Heine das folgende, allerdingsNur vorsichtig aufzunehmende Urtheil über Berlin aus:
„Berlin ist gar keine Stadt, sondern giebt bloß denOrt dazu her, wo sich eine Menge von Menschen, und zwarviele Menschen von Geist versammeln, denen der Ort ganzgleichgiltig ist; diese bilde» das geistige Berlin. Der durch-reisende Fremde sieht nur die langgestreckten, uniformenHäuser, die langen, breiten Straßen, die nach der Schnur,. und meistens nach dem Eigenwillen eines Einzelnen gebautsind und keine Kunde geben von der Denkweise der Menge.Nur Sonntagskinder vermögen etwas von der Privatge-sinnung der Einwohner zu errathen, wenn sie die langenHäuserreihen betrachten, die sich, wie die Menschen selbst,von einander fern zu halten streben, erstarrend in gegen-seitigem Groll. Nur einmal in einer Mondnacht, als ichetwas spät von Lntter und Wegener heimkehrte, sah ich,