Glaubwürdige, greise Männer, die den Dichter zu derZeit kannten, erzählen, daß er damals stundenlang „Unterden Linden" nmherspaziert sei, in der Meinung, alle Leute,die dort vorübergingen, bewunderten ihn und flüsterteneinander zu: „Das ist der Dichter Heine!"
Wir werden diese Poeteneitelkeit belächeln, aber leichterklärlich finden, um so mehr, da wir ja wissen, daß Heinevon Natur ans etwas eitel war — und daß seine stundeinlangen Spaziergänge „Unter den Linden", wo er übrigensauch kurze Zeit in dem Hause Nr. 74 gewohnt — ja nocheinen andern Grund hatten, der uns ans dem folgendenGedicht ersichtlich wird:
In, Freund, hier unter den LindenKannst Du Dein Herz crbau'n,
Hier kannst Du beisammen findenDie allerschönsten Frau'n.
Sie blüh'u so hold und innigIm farbigen Seidcngewand!
Ein Dichter hat sie sinnigWandelnde Blumen genannt.
Welch' schöne Federhüte!
Welch' schöne Türkenshawls!
Welch' schöne Wangenblüthe!
Welch' schöner Schwanenhals!
Ich glanbe, daß der Dichter, der die Frauen „Unterdeit Linden" „wandelnde Blumen" genannt, kein Anderergewesen seilt wird — als Heinrich Heine, möchte aber dabeidie Erinnerung an jene „wandelnde Blume" nicht geradeheraufbeschwören, die der Dichter ein ander Mal so Herz-beweglich bittet, ihn nicht „hier Unter den Linden" durchihren Gruß zu blamieren! —
Es märe indeß ein Zrrlhum, wollten wir glauben,daß die vielen widerstreitenden Einflüsse, die ans den drei-