80
und eine Kanne. Zwar bestimmt die goldene Bulle das Hände-waschen nach dem Tischgebet, doch geschah diese Cercmonie,ehe der Kaiser zu Tische ging.
3) „Gleichergestalt solle der Pfalzgraf am Rhein einhergeritten kommen und in der Hand mit Essen gefüllete silberneSchüsseln halten, deren jede drei Mark wäge und so bald ervom Pferde gestiegen, selbige auf des Kaisers oder KönigsTische tragen und auf denselben niedersetzen.“
Yon Seiten der Stadt war ausser der Küche in dem Ka-stenhof auch eine solche auf dem Römerberg errichtet, in wel"eher ein ganzer Ochse *), gefüllt und gespickt mit Milch-schweinen, Rehe, Geflügel, Bratwürsten u. s. w., gebraten wurde.Der Kurfürst von der Pfalz oder der Reichserbtruchsess, derGraf von Waldburg, ritten zu dieser Küche, nahmen auf diesilberne Schüssel ein Stück von dem gebratenen Ochsen undtrugen dieselbe zugedeckt auf die kaiserliche Tafel, woraufOchse und Hütte dem Volk preis gegeben wurde.
4) „Nachdem solle der König in Böhmen als Erzschenkegleichfalls zu Pferde kommen, haltend in den Händen einenKübel oder Becher — cuppam seu scyphum — von Silber,zwölf Mark am Gewicht, mit einem Deckel, gefüllet mit Weinund Wasser vermenget. Und wenn er vom Pferde gestiegen,solle er den Becher dem Kaiser oder römischen König zu trin-ken überliefern.“
Dieser Becher stand auf dem Tisch hei dem Springbrunnenund wurde von dem Kurfürsten von Böhmen, oder dem Reichs-erbschenk zur kaiserl. Tafel gebracht.
Dieses waren die in der goldenen Bulle vorgeschriebenenCeremonien der Erzämter. Nun kam aber 1710 durch die neueKurwürdo von Braunschweig Lüneburg, das zum Reichs-Erz-schatzmeister ernannt wurde, auch bei den Krönungen eineneue Funktion hinzu.
*) Dieser Ochse wurde zwei Tage vor der Krönung, mit vergoldeten Hör-nern , Krönzen und mit einer Kostbaren Decke geschmückt, von derMetzgerzunft unter Musikbegleitung durch die Hauptstrassen herumge-l'ührt und dann erst geschlachtet.