6
Doch Franz II., der den Untergang des Reichs in den Ta-gen der Treulosigkeit und der Schmach hereinbrechen sah, sollteauch die ruhmreiche Erhebung und Wiedergeburt Deutschlandserleben. Freilich blieb die Nation ohne Haupt, indem der Neuge-staltung Deutschlands das Oberhaupt der Nation fehlte; vielleichterforderten aber solche, durch die heftigsten Erschütterungen her-beigeführten Zustände unseres staatlichen Organismus, wie wirsie erlebt haben, eine allmähliche, lange und mühselige Heilungund die Politik muss sich mit dem ehemaligen Reichsstaatsrechttrösten, das auch unter den mannigfaltigsten Anläufen zum Bes-seren sich erst nach und nach ausgebildet hatte.
Kapitel II.
Erledigung- des Throns.
Wenn kein römischer König vorher von den Kurfürsten alsNachfolger erwählt war, so begab sich gleich nach dem Todedes Kaisers der Reichs -Yicekanzler in die Reichskanzlei, umden Reichshofrath zu schliessen. Den beiden Reichsvika-rien und dem Reichserzkanzler wurde alsbald die Reichserledi-gung bekannt gemacht und von dem Todesfall den übrigen Kur-fürsten, Fürsten und Ständen Nachricht ertheilt. Sobald der Rathvon Frankfurt die Nachricht des Todesfalles erhielt, so veran-staltete er besondere Trauerfeierlichkeiten; dieselben bestandenwährend des vorigen Jahrhunderts darin: das Kirchengebet fürden Kaiser fiel weg, 4 Wochen lang wurde alle Kirchenmusik mitder Orgel untersagt, Kanzeln und Altäre der Kirchen schwarzbehängt, täglich zweimaliges Trauergeläute angeordnet, die Raths-stube und Bürgermeister-Audienzien waren schwarz behängt, diebeiden Bürgermeister mussten lange Trauermäntel tragen undin schwarzen Kutschen aufiahren; alle Rathsglieder .musstenblau angelaufene Degen und Schuhschnallen tragen; im Bürger-eid wurde der Name des Kaisers weggelassen und alle Schrei-