Druckschrift 
Die Wahl und Krönung der deutschen Kaiser zu Frankfurt am Main
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

71

Stab der Tugend und der Wahrheit und bemühen Sic sich, mitdemselben den Frommen wohl zu thun und die Bösen zuschrecken, den Irrenden den Weg zu weisen, und den Gefal-lenen die Hand zu bieten: zerstreuet die IIoIFärtigen und er-hebet die Dcmüthigen. Unser Herr Jesus Christus thue Ihnendie Thüre auf, wie er von sich selber spricht: Ich bin dieThür; wer durch mich cingehen wird, wird selig werden. Erist selber der Schlüssel Davids, und der Scepter des HausesIsrael, der da aufthut, das niemand zuschliesset, und zuschliesset,das niemand aufthut; der sei Ihr Führer, der den Gefangenenaus dem Gefängniss heraus führet, welcher da sitzet in derFinsterniss und in dem Schatten des Todes; damit Sie in allenWegen demselben nachfolgen, von welchem David also ge-sungen hat: Herr! Dein Stuhl bleibet immer und ewiglich, derStab deines Reichs ist ein Stab der Billigkeit; auf dass Ihrdemselben nachfolget und liebet Gerechtigkeit und hasset gott-loses Wesen, denn darum hat Gott, Ihr Gott, Sie gesalbet nachdem Exempel dessen, den er vor der Welt gesalbet hat mitdem Oel der Freuden vor seinen Nachfolgern, nemlich unsernHerrn Jesum Christum.

Nach geendigtem Gebet übergab der Kaiser den Scepterdem kur-brandenburgischen und den Reichsapfel dem kur-pfälzischen Gesandten, von welchen solche dem Reichserb -truchsessen behändigt worden.

Hierauf zog der kur-sächsiche Gesandte das auf dem In-signien-Tisch gelegene grosse Schwert Karls des Grossen vonNürnberg aus der Scheide und übergab solches dem Reichserb-marschall, wo hingegen dieser das bis dahin gehaltene Schwertdes heiligen Moritz wieder auf den Insignien-Tisch legte.

Von dem kur-brandenburgischen Gesandten wurde nun demKaiser der königliche Obermantel oder Pluviale, mit Zuthunder Nürnbergischen Abgeordneten umgehängt, worauf Kur-Trierund der Consecrator die königliche Krone nahm und sie demKaiser mit den Worten aufsetzte:Nehmet hin die Reichskroue,welche Ihnen, obwohl von unwürdigen, jedoch bischöflichenHänden auf das Haupt gesetzet wird, und wisset, dass sie