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Die Wahl und Krönung der deutschen Kaiser zu Frankfurt am Main
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eine verkehrte Auslegung der heiligen Schrift suchte eine an-dere Meinung in Gang zu bringen. Man behauptete nämlich,der Regent sei nur zur Aufrechlhaltung der christlichen Religionmit seiner Würde betraut worden, diese Regentenwürde sei vonGott verliehen und daher zur wirklichen Besitznehmung desThrones eine heilige gottesdienstliche Weihung erforderlich. Dassunter diesen Voraussetzungen diese Weihe-Handlung nur durchdie geweihten Diener der Religion, als Diener Gottes verrichtetwerden konnte, war selbstredend. Ohne hier auf eine kirchen-historische Untersuchung der Frage wegen des Ursprungs derkünigl. Gewalt im römisch-deutschen Reiche näher einzugehen,wollen wir nur die an die Jahrhunderte lang- auf- und abwogendenKämpfe der Kaiser mit den Päpsten erinnern, und wie durchBegünstigung der Zeitumslände die päpstliche Macht, der kai-serlichen gegenüber, im 12. und 13. Jahrhundert immer dro-hender anschwoll. Am weitesten und bis zu selbstüberstür-zender Anmassung gingen wohl in dieser Beziehung die Be-Strebungen Papst Bonifacius VIII., der da erklärte, er sei derallgemeine Monarch der Christenheit, der an Gottes Statt Kaiserund Könige ein- und absetzen könne; die Kronen seien nurpäpstliche Geschenke, 0 h len s chl age r, Staatsgeschichte S. 3.Bekannt sind ferner namentlich die Anmassungen des päpst-lichen Stuhls gegen K. Ludwig IV., so dass auf dem Reichstagzu Frankfurt am 23. Juli 1338 die geistlichen Kurfürstenund die Reichsstände erklärten, dass das Reich nicht vom Papstabhänge, dass die kaiserliche Gewalt allein von Gott kommeund der Erwählte allein durch die Wahl wahrer römischerKönig seie. Gleichwohl behauptete der Papst noch 1711 beider Wahl K. Karls VI., das römisch deutsche Reich sei sein Ei-genthum und er habe hei der Kaiserwahl die höchste Gewalt;Köhler, Reichshistorie S. 587.

Die früheren kirchlichen Weihungen und Krönungen derdeutschen Könige kennen wir nicht, indem die 936 bei Otto I.zu Aachen stattgehabte Krönung die erste ist, von der wir eineumständlichere Beschreibung von Wittichind apud Meibom.Scriptores rer. Germ, I. 642 besitzen. Wie Otto in die Kirche