Druckschrift 
Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
308
Einzelbild herunterladen
 

— 308 —

Karl Meinert in Dessau, dessen Güte ich die Erlanbniß zurPublikation verdanke.

Paris, 28. April 1836.

Soeben, lieber Kolb, ist es mir gelungen, ohne die geringsteBitterkeit und ganz im Ton, den ich für die „Allg. Ztg." geeignethalte, meine Erörterungen über das Bundestagsdckrct und seine,Wirkungen zu schreiben. Zch schicke sie Ihnen, ohne auch nur eineAbschrist davon zurückzubehalten, ich schicke Ihnen diese kleineSchrift, die gewiß nicht als eine persönliche Rache betrachtet werdenkann, die von der äußersten allgemeinen Wichtigkeit, sowohl vompolitischen und litterarischen Standpunkte, ich schicke sie nur Ihnen,niemand anders, Sic erhalten das einzige Ex. — und ich erwarte,daß Sic es umgehend drucken, es ist nämlich von höchstem Inter-esse, daß sobald als möglich diese Erörterungen gedruckt werden,damit der Bundestag, der sich jetzt mit der Sache beschäftigenwill, davon Notiz nehmen kann. Ich hoffe, daß in meinemManuskript auch kein Wort ist, das Ihnen Anstoß geben könnte;ich habe es dreimal siltrirt. — Ich hoffe, daß diese kleine Publi-kation ihre Wirkung ausüben wird. — Mit Cotta habe ich, inder freundschaftlichsten Weise, auch für seine übrigen Instituteeine Verbindung wieder angeknüpft. Für die „Allg." kann ich dochin diesem Augenblick nichts liefern, da wenig Wichtiges vorfällt,... ich stehe aber immer Schildwacht und sobald es nöthig wird,wird auch meine Feder nicht feyern. — Ich umarme Sie.

Ihr Freund

Heinrich Heine.

Lebrct grüße herzlich.

Diesen Brief schrieb Heine, als durch das berühmteBnndcsiagsdekrct seine lind des gesammten „Zungen Deutsch-land" Schriften für alle Zukunft verboteil wurden. Dieserdrakonische Beschluß wurde in der Sitzung vom 10. Dezember

1835 gefaßt. Heine richtete darauf das bekannte Schreiben„an die hohe Bundesversammlung" unterm 28. Januar

1836 und schrieb auch jeneil obenerwähnten Artikel für die„AllgemeineZeitlliig", dessen Abdruck jedoch anfCensnrhinder-nisse stieß. „Ich vertrete in diesem Augenblicke den letzten