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„Also, ich muß sterben?"
Der Arzt, der den Charakter des Dichters kennt undHeine in einem feierlichen Moment fest versprochen hatte,ihm die Wahrheit nicht vorzuenthalten, wenn der letzteAugenblick Nahe, bejaht die schauerliche Frage; diese Kundeempfängt der Dichter aber ohne die geringste Unruhe. Auchein Todesurtheil vermag nicht mehr zu erschrecken, wennman sich acht Zahre darauf hat vorbereiten müssen.
Nur selten stellen sich während des Nachmittags nochMomente der Erleichterung ein. ZU einem solchen Augen-blick sagt Heine zu seiner Wärterin, der treuen CatharineBourlois: „Ich fühle mich glücklich, daß ich meine guteSchwester noch einmal gesehen habe, denn ach, Catharine,ich bin ein todter Mann!" '
Und nun nehmen auch wirAbschied von dem Sterbenden,dessen letzten Lebenstag wir hier aufmerksam verfolgt haben.Das war der Freitag des 45. Februar 1856. Was nochfolgte, war nicht mehr Leben, sondern ein beständiger Kampf,eitt Ringelt der verrinnenden Lebenskräste mit dem siegendenTode. Das läßt sich nicht mehr schildern, das ist keinLebenstag mehr. Die Pflicht des Chronisten ist nun beendet,nachdem er den wirklich letzten Lebenstag des Dichters ge-schildert.'
Am darauffolgenden Sonnabend verschlimmerte sichder Zustand immer mehr; die Sprache wurde undeutlich,der Gesichtsausdruck verzerrt. Nur iü der späten Nach-mittägsstnnde flüstert er noch dreimal das Wort: „schreiben";dänn rief er: „Papier, Bleistift!"
So verfolgte Uhu noch in den letzten Stunden seinesDaseins beständig der Gedanke an feine Arbeiten, überwelche er am Mittwoch noch zu der Wärterin begütigendgesagt hatte: „Ich habe nur noch vier Tage Arbeit, dannist mein Werk vollendet." - r!