eine vorurtheilsfreie Pariserin, die Zeugin jenes Dramasgewesen. „Man kann ihr nur das Rühmlichste in ihrenBeziehungen zu Heine, als ihrem Gatten und Pfleglingnachsagen. Nur sehr kurze Zeit und nur selten hatte siedie verzeihliche Eitelkeit befriedigen können, sich an HeinesArm in Concerten und Theatern dem Pariser Publikumzu zeigen. Der Klang ihrer Stimme und ihre nie ver-siegende Munterkeit war für Heine ein beständiger Zauberund der einzige Lichtpunkt in seinen entsetzlichen Leiden."„Er hat mir mehrmals die Versicherung gegeben" — erzähltFrau Caroline Zaubert — „daß er durch diese helle, frischeStimme ins Leben zurückgerufen worden sei in Augenblicken,als seine Seele zu den unbekannten Bezirken sich aufschwingenwollte. Wenn die hohe, helle Stimme seiner Frau ausdem Nebenzimmer in die Krankenstube hinüber klang, hieltHeilte im Gespräch inne, lauschte auf, ein freundlichesLächeln ging über sein Gesicht und er horchte, bis wiederStille eintrat."
Und in solchen Momenten entstanden jene herrlichenLieder, die er seiner Frau geweiht, und dereit Existenzallein schon hätte genügen müssen, um die also Besungeneund Gefeierte vor jeder üblen Nachrede zu schützen. Manhat gesagt, sie hätte Heine nicht verstanden, sie hätte nieeine Zeile von ihm gelesen — obwohl das letztere ent-schieden unwahr ist — aber was thnt's; wenn sie esvermocht hat, durch ihr Wesen und ihre Lebensführungdeit leidenden Heine zu jenen drei Gedichten: „Alt die Engel",„Babylonische Sorgen" und „Zch war, o Lamm, als Hirtbestellt" zu begeistern, so hat sie auch im höheru und höchstenSinne ein ideales Lebensziel erfüllt! Das erste dieser dreiGedichte, in dem er die Engel bei ihrer „eigenen Schönheit,Huld und Milde" beschwört: