Er „verlangte jetzt nur Gesundheit, Frische, Jugend,Hingabe, gepaart mit offenem Verstände, sei es es übrigensaus welcher Sphäre der Gesellschaft immer. Und so scheut ersich nicht, als ihm aus niederen Kreisen ein schönes Mädchenbegegnet, die ihm alles das gewährte, sie an sich zu fesseln."
So sagt sein vornehmster Biograph, allerdings von
Goethe! Aber ich sehe nicht ein, warum Heine verwehrtsein sollte, was Goethe gestattet war, und warum mannicht dasselbe auf die Gattin des modernen Poeten sollteanwenden dürfen! Daß wir gerade in der Frau HeinrichHeines eine jener Naturen zu verehren wünschen, wie etwaTassos Leonoren sind, wird doch wohl Niemand im Ernstbehaupten wollen. Ja es ist merkwürdig, daß man fastdasselbe, was die^„gute Gesellschaft" von Weimar überChristianeVulpiusmedisirte, rnutatis inutauclis von MathildeMirat erzählt hat. Oder klingt es nicht wie ein Berichtüber Frau Heine, wenn wir lesen: „Sie hatte ein an-genehmes Gesicht und einen herzlichen Gesprächston; ihreManieren waren ohne Förmlichkeit und ungezwungen.Wunderliches Gerede erging über ihr unterwürfiges Benehmenund die Freiheit ihres Umgangs mit ihm, als sie jung war;aber als ich sie sah. waren alle jene Excenlricitäteu längstvorüber." Und doch sind diese Worte der Bericht einesEngländers, Robinson, über Frau Gcheimrath Goethe!Nur daß der wohlerzogene Engländer das harmlose Wort„Exccntricitüteu" gebraucht, wo minder scrupulöse deutscheBerichterstatter ausParis voll Medisauce diehaarsträubendsteitGerüchte und abenteuerlichsten Märchen mirthcilten. Sohat sich über die arme Mathilde eine ganze Legende heraus-gebildet, die zu zerstören nicht leicht, aber durchaus nöthigist. Schon im Interesse der Gerechtigkeit, noch mehr aberim Sinne jener ausgleichenden Milde, die auf Gräber ihrenverklärenden Schimmer wirft, und am meisten zu Ehren