Heine in eine immer frischere Kampfesstimmung sich hinein-redete, obwohl ihn die Sand immer wieder mit den Augenbat, er möchte doch endlich aufhören.
Alles sah gespannt auf Lammenais und erwartete eineschlagende Antwort auf jene geistreichen, feineil Nadelstiche.Vergebens. Der Mann, der mit der Glnth und dem Feuereines biblischen Propheten seine freien Ueberzeuguugeu inWort und Schrift nertheidigt hatte, war heute machtlosgegeit den Dichter, mit dem er ja eigentlich die Grundideedes freien Denkens theilte. Freilich, Lammenais war frommund ernst, Heine war leicht und frivol — damals wenigstens.Wenn Lammenais Heines „Geständnisse" noch erlebt hätte,so märe ihm der Triumph vergönnt gewesen, den Spötterauf seiner Seite und bei seineu Anschauungen zu sehen.Diesen Triumph erlebte er allerdings nicht mehr. Und auchaus jenem Wortgefecht ging er nicht als Sieger hervor.Zwar erwartete die ganze Gesellschaft einen bedeutenden Ab-schluß des Gesprächs gerade von dem redegewandten, leiden-schaftlichen Manne. Auch Heine mag dies wohl gefürchtethaben. Es kam aber nicht. Vielmehr suchte Lammenaisangelegentlich das Gespräch auf andere, weltlichere Themataabzulenken, wohin ihm schließlich die Gesellschaft schon ausArtigkeit folgen mußte.
Wenn man nun aber nach all' dem Vorhergegangenenetwa wird behaupten wollen, Heine habe sich gegen dieoberste gesellschaftliche Pflicht der Artigkeit eines Gastes gegenden andern in jenem Kreise vergangen, so muß man dochvorher zweierlei bedenken: Erstens dürfen die Lebensgewohn-heiten und Gesellschaften großer, erlauchter Geister nicht mitdem Maßstab der Alltäglichkeit gemessen werden, zweitensaber hat Heine schon von jeher eine Antipathie gegen denfreisinnigen Priester gehegt, der er einmal Ausdruck gebenmußte. So war denn jenes Gespräch ja nicht etwa ein