Druckschrift 
Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
103
Einzelbild herunterladen
 

— 103 —

Juden verunglimpft hatte. Er ließ also Börne sagen, wenner das thäte und wenn man ihn überhaupt in eine Galerievon Juden brächte, dann würde er sich durch eine entsetz-liche Schrift gegen Börne und seine Freunde rächen. Da-rüber entstanden neue Kontroversen, neue Feindseligkeitenund Drohungen. Es ist bekannt, daß Heine erst nach BörnersTode in seiner Schrift über ihn jenem Rachegefühl Ausdruckgegeben hat, ohne daß Börne an seiner Judaisirung sichauch nur im Entferntesten betheiligt hätte. Es ist auch bekannt,daß Heine in späteren Jahren diese Schrift ausrichtigbereut hat und dieselbe gern zurückgenommen hätte; nichtminder darf es als bekannt vorausgesetzt werden, daß der-selbe in ein Duell mit Salomon Strauß aus Frankfurta. M., dem Gatten der von Heine beleidigten FreundinBörne's, Madame Wohl-Strauß, gerieth, und daß dieseleidige Affaire viele Lebensjahre des Dichters verbitterte.So oft er sich seit jener Zeit irgend wo angegriffen sah,schob er es auf die „Frankfurter Juden", die einen ganzenKöcher voll Angriffe gegen ihn bereit hätten. Es kann hiernicht meine Absicht sein, diese Dinge eingehend zu erörtern.Daß aber die Erinnerung an all' die Aergernisse, welcheihm mittelbar aus Frankfurt zugegangen, den Dichter späternicht besonders spmpatisch für die Stadt stimmen konnte,ist erklärlich und selbstverständlich. Doch ist sein Urtheilin dieser Hinsicht stets ziemlich das gleiche geblieben, undwir können nun dazu übergehen, dasselbe in seinenSchriften zu verfolgen.

II.

Heine's „Rabbi von Bacharach" ist anerkanntermaßenseine vollendeiste Prosaschöpfung. Selbst ein so unbedingterGegner des Dichters, wie Karl Goedeke, muß die Bedeutungdieses Werkes zugestehen und das allgemein getheilte Be-dauern aussprechen, daß diese Arbeit nicht über die ersten