wird es nicht in Abrede stellen können, daß seine Beziehungenzu der allen deutschen Reichsstadt Frankfurt am Main nichtohne wichtigen Einfluß auf seine Entwickclung geblieben sind.Heine war drei Mal in Frankfurt, und jede dieser dreiReisen bezeichnet einen wichtigen Markstein in seiner Ent-wickeln ngsgeschichte. Diese Beziehungen im Znsammenhangedarzustellen, soll die Aufgabe der folgenden Skizze sein.
Es ist bekannt, daß Heine's Vater Kaufmann war,der auch seinen Sohn für den kaufmännischen Beruf er-ziehen wollte. Zu seinen „Memoiren" hat der.Dicbler manchesInteressante darüber mitgetheilt. Als man den Knaben einstbei seinem Vater wegen Gotteslengnnng verklagte, hielt ihmSamson Heine eine Standrede, die längste, die er wohlje gehalten, und die folgendermaßen lautete: „LieberSohn, Deine Mutter läßt Dich beim Rektor SchallmeyerPhilosophie studiren. Das ist ihre Sache. Ich meinestheilsliebe nicht die Philosophie, denn sie ist lauter Aberglaubenund ich bin Kaufmann und habe meinen Kopf nöthig fürmein Geschäft. Du kannst Philosoph sein, so viel Duwillst, aber ich bitte, sage nicht öffentlich, was Du denkst;denn Du würdest mir im Gcschäfi schaden, wenn meineKunden erführen, daß ich einen Sohn habe, der nicht anGott glaubt; besonders die Inden würden keine Velvetenmehr bei mir kaufen und sind ehrliche Leute, zahlen promptund haben auch Recht, an der Religion zu halten. Ichbin Dein Vater und also älter als Du, und daher aucherfahrener, und Du darfst mir also auf's Wort glauben,wenn ich mir erlaube Dir zu sagen, daß der Atheismus einegroße Sünde ist." Von solchen Grundsätzen wurde diefrüheste Jugend Heine's geleitet. Ja, selbst seine Mutter,die für ihren Sohn hochflicgende Pläne im Sinn hatte unddie die Hauptrolle in seiner Entwickclungsgeschichte spielt,hatte ihren Sohn für den Kaufmannsstand bestimmt und