Censnr gehemmt, mit seinem Oheim Solomon Heine hatteer sich gerade damals heftig entzweit — sechs Tage vorjenem Diner waren die „Florcntinischen Nächte" erschienen;ein Werk, das er „in den allerschrecklichsten Nöthen" undin einer wahren Todesangst vor der Censur geschrieben —in einer solchen Lage hatte wohl der Dichter das Recht,verdrießlich und unwohl zu sein.
Damit wäre der Bericht über die Beziehungen Heine'szu Grillparzer am Ende. Viel zu schnell sicherlich für diezahlreichen Verehrer beider Dichter, die in diesem Berichtwahrscheinlich noch neue und interessante Mittheilungen er-warteten.
Leider war ich nicht in der Lage, dieselben zu bringen,da — wie bereits gesagt — sich weder in einem der BriefeHeine's, noch in den vielen Erinnerungen an den Dichterauch nur die geringste Mittheilnng hierüber vorfindet. Selbstdie drei besten, noch lebenden Freunde Heine's^), die mirbei meinen Studien über den Dichter seit Zähren in hilf-reichster und liebenswürdigster Weise beistehen, wußten überdieses Thema wenig oder nichts zu erzählen. FerdinandHiller, den Grillparzer in seinem Tagebuche auch erwähnt,und der ja mit Heine innig befreundet war, schreibt mir:„Zch habe von den Relationen zwischen Heine und Grill-parzer keine Ahnung, was ich jetzt doppelt bedauere." Nichtviel besser erging es mir mit meiner Anfrage bei AlfredMeißner, dem vertrautesten Freunde des Dichters, der mirunter Anderem schreibt: „Ueber Grillparzer hat Heine, soviel ich mich erinnere, nie gesprochen. Die Naturen sindmich gar zit verschieden gewesen, wenngleich zwischen „Ral-clifs" und „Ahnfrau" manche Beziehung." Am meistenwußte noch der dritte, nicht minder treue Freund Heine's,
*) Dieser Aufsatz wurde zuerst 1883 veröffentlicht.