rage beschäftigte ihn diese Frage, und mit großer Entschieden-heit wehrte er sich uoch auf seinem Krankenbette — im Ge-spräch mit Adolf Stahr — gegen die Zumuthung, alshabe er seine Gedichte deutschen Volksliedern und die StoffeChroniken oder älteren Poeten entlehnt.
Zm Großen und Ganzen mag dies zutreffen. Sellenist ein Poet so original gewesen, wie Heine. Goethe wares kaum, auch Schiller und die Romantiker nicht. Heineaber hatte wohl ein Recht, einzugestehen, daß er „sehr frühschon das deutsche Volkslied habe ans sich einwirken lassen", daihn diese Einwirkung nur dazu verleitet hat, Stoffe, Bilderund Wendungen, hauptsächlich aber die Formen des altenVolksliedes nachzuahmen. Dieses Zngeständniß hinsichtlichder Form befindet sich in einem interessanten Briefe Heine'san Wilhelm Müller, den Dichter der Griechen-Lieder, indem er über diesen wie über Goethe, Nhland und Rückertbemerkenswerthe Aeußernngen macht und sich schließlich mitLetzterein vergleicht: „Ich habe an ihm zu tadeln Alles,was ich an mir selbst tadle: wir sind uns im Zrrthnmverwandt, und er wird mir oft so unleidlich, wie ich esmir selbst werde."
Als Heine dies schrieb, kannte er die Meinung Rückertsüber ihn nicht. Sie ist um so interessanter, als sie mitder oben angeregten Frage nach der Originalität seinerStoffe eng zusammenhängt. Daß Rückert ein Dichter wieHeine nicht wahrhaft symphatisch sein konnte, versteht sichvon selbst. Trotzdem war er, wie sein Biograph, E. Beyererzählt, nicht blind gegen die wahrhaft werthvollen Liederdieses Dichters. Nur meinte er einmal im Gespräche mitMelchior Meyr: „Er könne nicht zugeben, daß Heine dieseLieder selbst gemacht habe, er könne ihn hier nur als Organgelten lassen." Dazu bemerkte Meyr, daß diese AenßerungHeine gewiß ergötzt haben würde, daß aber seiner Meinung