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Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
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bei Goethe gedächten. Der ehemalige russische Staatsratherzählt Folgendes: Goethe empfing Heine mit der ihm eigenengraziösen Herablassung. Die Unterhaltung, wenn anch nichtgerade über das Wetter, bewegte sich auf sehr gewöhnlichemBaven, selbst über die Pappel-Allee zwischen Jena undWeimar wurde gesprochen. Da richtete plötzlich Goethe dieFrage an Heine: „Womit beschäftigen Sie sich jetzt?"

Rasch antwortete der jungeDichter: „Mit einem „Faust".

Goethe,dessenzweiterTheil des „Faust" damals noch nichterschienen war, stutzte ein wenig und fragte in spitzigem Tone:„Haben Sie weiter keine Geschäfte in Weimar, Herr Heine?"

Heine erwicderte schnell: „Mit meinem Faste über dieSchwelle Eurer Exzellenz sind alle meine Geschäfte in Weimarbeendet" und empfahl sich.

Wie viel an dieser Version wahr ist — ich wage esnicht zu entscheiden . . .

Und auch das wage ich uicht zu entscheiden, ob Goethein seiner Tabelle über „Neueste deutsche Poesie" <XXIX, 267)Heine mit einbegriffen hat. In dieser Würdignngstabelle„poetischer Produktionen der letzten Zeit" findet man alsNummer 14: »Naturell Stoff: Bedeutend, aber be-denklich. Gehalt: Dichterisch, glücklich gesteigert. Behand-lung: Bequem, vielleicht nicht tief genug greifend. Form-Untadclhast. Effekt: Abzuwarten." Sollte nicht Goethehier den Dichter des „Buches der Lieder" geschildert habe»?

Heine hat Goethe's noch oft gedacht, und zwar stetsmit wachsender Verehrung, ohne daß die Kluft zwischen de»Anschauungen Beider dadurch überbrückt wurde. . . . FürGoethe war die Entwickclung der Menschheit nur ein Theildes Fortschritts der gesammten Natur, und das Schicksaldes Einzelnen wie eine Welle des großen Stromes, derenSich-Heben und Sich-senkcn von Gesetzen beeinflußt wird,welche zu erkennen in's Bereich des „Unzugänglichen" ge-