Druckschrift 
Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
39
Einzelbild herunterladen
 

39

Biographie»-. Er hall es'für seine heiligste Aufgabe zunächst,den Verstorbeneu gegen alle ehrrührigen Nachrufe zu ver-wahren.Heine's Lebenswandel", sagte er,war zu keinerZeit, und am wenigsten gewiß in den sieben bösen Jahrenseiner Krankheit ein unsittlicher, wenn auch sein Humor,sein kaustischer Witz ebensowenig seine eigene Person undsein sittliches Bewußtsein zu schonen vermochte, als das Ge-müth seiner Freunde und den guten Namen seiner Feinde."

Und dann solgt eine kurze Erläuterung, die den Freundes-schlüssel zum Berständniß dieser räthselhaften Dichternatnrdarbietet, und in ihrer prägnanten Kürze mehr besagt alslange aefthetische Exkurse. Mit ihr mag auch diese Skizzezum Abschluß gelangen, da ihr nichts mehr hinzuzufügen ist.Die Thatsache, daß Josef Lehmann auch noch fernerhin, biszu seinem eigenen Tode, am 19. Februar 1873, das AndenkenHeine's in seinemMagazin" treu und gewissenhaft pflegte,ist nach all' dem Vorhergegangenen so selbstverständlich,daß es unnöthig erscheint, sie nochmals hervorzuheben.Er kannte seinen Heine und verstand dessen Eigenart undhat sie zutreffend zum Ausdruck gebracht, indem er sagte:Nicht im Charakter des Menschen, sondern in dem eigen-thümlicheu Naturell des Dichters haben wir bei Heine, wiebei Voltaire, Rousseau und ähnlichen genialischen Naturen,die Erklärung für die grellen Eontraste zu suchen, die unsin ihrenAeußernngen und mitunter auch in ihrenHandluugeubegegnen, und wenn wir sie auch nicht als mustergültigeMenschen betrachten können, so vermögen wir sie doch darumnicht als unsittliche zu verdammen. Der Kobold, der unszuweilen aus dem Himmel des Heiue'schen Ideals heraus-reißt, war eben ein Aggregat des Heiue'schen Genius, undwenn wir an der Wundergabe seiner Poesie uns erfreuten,so müssen wir auch das Dämonische in ihm als eine leiderzuweilen mit dem Genius verschwisterle Macht hinnehmen."