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Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
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Heine's geht unbesprochcn vorüber, kein Angriff auf ihn —nnd an solchen hat es sa nie gemangelt — bleibt uuwider-legt, kein gehässiges Gerücht ohne Dementi; jede freundlicheAnerkennung wird getreu registrirt, jeder Erfolg des Dichtersgefeiert, jede Nachricht von seinem Befinden mitgetheilt, jedeNebersetzung seiner Werke im Auslande wird angezeigt. Sosind diese vierzig stattliche» Bände eine fortlaufende Chronikvon Heine's Leben und Schaffen, ans der der Biographals ans der reichsten und zuverlässigsten Fundgrube schöpfenkann.

Aber mau würde fehlgehen, wollte man etwa glauben,daß Joses Lehmann ein blinder Anbeter Heine's ist. Dazuist er ein zu fein empfindender nnd zu kritisch angelegterGeist. Er liebt den Dichter, er kennt seine Vorzüge — aberer verhehlt sich auch keineswegs seine Fehler und Schwächen.Nnd wenn er ihn schmerzlich bewegt auf Abwege gerathensieht, so scheut er sich nicht, seine mahnende und warnendeStimme zu erheben, um den Freund vor dem Abgrund zubeschützen.

Eine solche treue und uneigennützige Freundschaft istgewiß nicht oft einem Dichter gewidmet worden. Der, demsie zu Theil ward, hatte aber viele Herzen zu eigen, diemir gleicher Liebe für ihn schlugen, wie sehr auch ihr Geistoft gegen diese Liebe Opposition machen wollte. Zu der That,Heine hatte wohl ein gewisses Recht zu glauben, daß esnicht anders sein könne, und daß die, welche ihm einmalzugethan waren, von ihrer Liebe nnd Freundschaft für ihnnie ablassen könnten. Aber eine jede Freundschaft beruhtdoch im letzten Grunde auf gegenseitiger Hingabe, und soman wird gewiß auch annclnnen dürfen, daß der Poet, dero viel empfangen, auch Manches seinen Freunden gegeben,und keineswegs der egoistische, wankelmüthige, unzuverlässigeMensch gewesen sei, als welchen ihn eine einseilige Literatur-