die herzlichste Liebenswürdigkeit blickte. Ich brauche wählnicht erst zu sagen, daß der Erste Harry Heine, der AndereJosef Lehmann war.
Wer war aber Josef Lehmann? In literarischen Kreisenist es wohl nicht nöthig diese Frage zu stellen. In Berlinund Breslau braucht mau sie auch in außerliterarischenKreisen nicht aufzuwerfen. Darüber hinaus wird es aberdoch wohl uothwendig sein, für weitere Kreise die Bedeutungdieses Mannes zu erörtern. Um so mehr, als weder die„Allgemeine Deutsche Biographie", die wohlgezählte zwölf„Lehmänuer", — natürlich einer berühmter wie der andere, —aufzählt, noch auch die verschiedenen großen ConversationS-lcxika, die sich mit soviel unnützem biographischen Ballastvon Auflage zu Auflage schleppen, dieses Mannes gedenken.Und doch hat derselbe fast vierzig Jahre lang eine sehr ein-flußreiche, ja fast maßgebende Stellung in der deutschenLiteraturwelt eingenommen! Und doch war er der Freundhervorragender Männer, der Förderer aller literarischen undhumanistischen Bestrebungen seiner Zeit! Aber freilich, erhat keine dreibändige Romaue und keine dickbäuchige Gc-lehrtenchroniken geschrieben. Er hatte eben seine Zeit fürNützlicheres aufzuwenden; denn er gehörte dem in Deutsch-land dünngesäeten Geschlecht der Konrad Bolze an, die dasBrod der Zukunft backen und in stillem Wirken die. Saatenausstreuen, aus denen einst eine reiche Ernte hervorsprießt.
Josef Lehmann war ein Schlesier, ans Groß-Glogan,der Stadt, deren jüdische Gemeinde eine Schaar von ge-lehrten und geistvollen Männern im Anfange dieses Jahr-hunderts in die Welt hinaussandte. Zu diesen gehörte inerster Reihe Josef Lehmann, der dort am 28. Februar I80lgeboren wurde. Wie alle intelligenten Jünglinge seinerHeimat wandte auch er sich nach Berlin, nm dort in einkaufmännisches Geschäft einzutreten, zugleich aber auch seine