Wunde glücklicher Weise nicht gefährlich und nach achtTagen wieder geheilt.
Der ganze Vorfall veranlaßte indeß Heine, fortanfene studentischen Kreise zu meiden, und sich mehr denFreuden des gesellschaftliche» Lebens hinzugeben, das sich ihmin so lockender Weise eröffnet hatte, oder auch den poe-tischen Anregungen zu leben, die damals bereits seineDichterbrust erfüllten.
In einem kleineu Stübcheu mit „rothseideueu Gar-dinen", in der Behreustraße Nr. 71, dritte Etage, da ent-standen damals jene wundersamen Weisen unglücklicherLiebe,jene wehmüthig-irouischen Lieder, die zuerst den Ruhmunseres Dichters aller Orten verbreiteten. Und hier wares auch, wo den noch immer in Liebesgluthen sich ver-zehrenden Jüngling die Botschaft erreichte, daß die Ge-liebte seines Herzens und seiner Lieder einem anderenManne ihre Hand gereicht habe. Es war dies im Früh-ling des Jahres 1821:
„Der FrühlingZog lachend grün durch Feld und Thal,
Die Vögel sangen und es freuteSich jeder Wurm im Sonnenstrahl.
Ich aber wurde blaß und kränklichUnd meine Kräfte nahmen ab.
Der liebe Gott nur kann es wissen,
Was ich des Nachts gelitten Hab'."
Es muß etwas Schauriges seilt, wenn einem Dichter-herzeit das Ideal geraubt wird, au das sich dasselbe fieber-haft angerankt, dem es sein Sehneu, sein Träumen undLieben geweiht hat. Der Schmerz dieser Enttäuschungüber das verlorene Ideal ist es, den der Dichter in seineu,mir dem eigenen Herzbluts gedichteten Liedern ausweintund der uns deshalb so mächtig ergreift. Daß der Dichter